unterwegs für eine Vision

Tag: 19. April 2022

Ein erstes Resümee: bis zum Beginn der Osterzeit

Nun bin ich 10 Tage unterwegs, es ist ein Drittel der Zeit um. Ich finde, dass sich das Thema unter dem ich unterwegs bin, in meinem Erleben spiegelt: Nicht nur äußerlich, so wie ich heute ungeplant an dem KZ-Mahnmal vorbei pilgerte oder das Schild an der Kirche bemerkte zum Thema  „Frieden predigen“ oder eine Landschaft erlebe, in der der Unfrieden des Menschen mit der Natur sichtbar wird. Dieser Schmerz ist mir tagelang deutlich spürbar.

Auch in mir bin ich weniger im Frieden, als ich mir das erhofft und mit den Erfahrungen des letzten Pilgerns erwartet hatte. Das hängt auch mit dem großen inneren Thema zusammen, mit dem ich unterwegs bin. Dies erlebe ich natürlich besonders in den Zeiten, in denen ich allein unterwegs bin. Und wie gut und schön ist die Abwechslung, wenn ich Mit-Pilgernde habe und dadurch auch eine Auszeit in meinen eigenen Gedankenkreisen.

Der Start insgesamt war wunderbar. Der Aufbruch mit so vielen Menschen aus Berlin, das unerwartet schöne Wetter, die liebliche Landschaft aus Berlin heraus um Potsdam und bis Kloster Lehnin. Und ich war wunderbar begleitet. Der innere Prozess änderte sich mit der Landschaft, ab Lehnin habe ich die Landschaft verwüstet und menschenfeindlich erlebt. Am schlimmsten war der Regentag den Kanal entlang nach Genthin. Obwohl die Landschaft sich nur mäßig veränderte, hat mich die Begleitung durch Diana und Torsten über die nächsten zwei Tage dann wieder gut getragen. Es war wie ein Weg in die Osternacht hinein, in der heute eine Ahnung des neuen Lichts zu spüren ist – und neue Zuversicht.

 Mein Pilgern soll ja den Ausbau des Kirchenraums in Gerode befördern, da finde ich es ein besonders interessantes Thema, wie sehr es mich erreicht, ob ein Kirchenraum mich einlässt, willkommen heißt oder ausschließt.

Es gab zwei besondere Glücksmomente, die mit der Offenheit dieser Räume zusammenhängen: in Kloster Lehnin, wo mir der Schlüssel für die verschlossene Kirche gegeben wurde und heute Kloster Neuenberg, wo – gegen jede Wahrscheinlichkeit – die einsame Kirche offen stand. Was das im Einzelnen zu bedeuten hat, ist mir noch nicht verständlich. Ich weiß aber mit Sicherheit, dass es eine sehr starke Bedeutung hat, die weniger mit der Kirche als Raum zu tun hat, als mit dem Erleben eines Friedensraumes in mir und der dazugehörigen Öffnung nach oben.


10. Pilgertag: Rundtour Gardelegen Kloster Neuendorf

Der heutige Ostermontag beginnt wieder mit kalter Temperatur und strahlendem Sonnenschein. Nach einigen unangenehmen nächtlichen (inneren und äußeren) Ereignissen, die ich nicht ausbreiten möchte, bleibe ich erstmal „schlecht drauf“; ich bin mit meiner Kondition ganz und gar nicht zufrieden, vergleiche immer wieder die Erfahrungen des letzten Pilgerns mit den Tagen jetzt und und und…

Irgendwann beim Frühstück wendet sich das Blatt. Ein Schlüssel wird die radikale Annahme der vermeintlichen Schwäche:

Ich beschließe, nicht den ganzen Weg zu laufen, sondern suche mir einen Rundkurs um Gardelegen, den ich gut bewältigen zu können glaube, und lasse viele Vorstellungen, wie es doch richtig sein müsste, los. Es kommt – wie alle Eingebung -völlig „unangemeldet“.

Ich wähle Kloster Neuendorf auf der Karte, marschiere mit kleinem Gepäck los:
Es wird ein wunderbarer Tag. An der menschenleeren Klosteranlage empfängt mich ein Schild: Kirche geöffnet!

Weiter bin ich unterwegs durch eine schöne Heidelandschaft, die ich hier ganz gewiss nicht erwarten würde. Im weichen Heidekraut kann ich ein Schläfchen in der Sonne machen.

Der Tag geht ganz anders zu Ende, als er begonnen hat. Ich bin sehr neugierig, ob es mir morgen gelingen wird, ebenso auf meine innere Befindlichkeit zu achten, sie zu respektieren und meinen Weg danach auszurichten.


Weg und Bilder auf Komoot: 10. Pilgertag

9. Pilgertag: von Stendal nach Gardelegen

Am Ostersonntagmorgen treffen wir uns zufällig beim Frühstück, das wir – ohne voneinander zu wissen – im selben Hotel gebucht hatten. Zusammen gehen wir zum Dom, wo wir dann tatsächlich ein weiteres Mal vor verschlossenen Türen stehen. Das beeinträchtigt nicht unser schönes Gemeinschaftsgefühl, wie wir die zwei Tage pilgernd zusammen verbracht haben: und so meditieren wir vor dem Dom und verabschieden uns da. Die Begleitung von Diana und Torsten hätte ich gerne noch weiter genossen…

Ich mache mich dann wieder allein auf den Weg: Richtung Gardelegen, soweit es mir gut möglich ist.

Weit und breit war keine Unterkunft zu finden, und so war schon klar, dass irgendwo unterwegs ein Bahnhof anzusteuern sein wird. Bis Vinzelberg bin ich gekommen, bei strahlendem Sonnenschein, die Natur wird langsam angenehmer, gewohnter, bei nicht mehr so endloser LPG-artiger landwirtschaftlicher Nutzung. Der Zug bringt mich nach Gardelegen.

Zunächst war die Idee noch, am nächsten Tag dorthin zurückzufahren, um dann „den ganzen Weg“ gegangenen zu sein. Aber es ist Ostern, eine Zeit von Neubeginn (und Wiedergeburt), auf jeden Fall innerer Wandlung.
Die gebuchte Superschlichtpension, in der zunächst die Heizung nicht funktioniert, tut ein weiteres, um mich in inneren Widerstand zu leiten.

Weg und Bilder in Komoot: 9. Pilgertag

8. Pilgertag: von Jerichow nach Stendal

Der Karsamstag beginnt mit Minusgraden, aber wunderschönem Sonnenwetter. Vom Hotel wandern wir zusammen zum Kloster Jerichow. Um es zu besichtigen, muss man wie in einem Museum Eintritt zahlen. Ich kenne die Kirche von einem Konzert mit Helge Burggrabe – auch eine Verbindung zur Kirche im Kloster Gerode. Die Erinnerung daran taucht lebendig in mir auf.

Es wird wärmer. Gut, dass man sich im Kloster- „Museum“ noch umziehen konnte. Der schöne Weg Richtung Stendal führt über die Elbdeiche. Ein Rastplatz, der an den Deichbruch bei der letzten Elbflut erinnert, lädt heute zum Verweilen ein. Auf der gegenüberliegenden Seite sehen wir die Türme der Hansestadt Tangermünde.

Wir entscheiden uns spontan, dorthin zu pilgern. Da der Weg nach Stendal mit diesem Umweg zu weit wäre, nehmen wir von dort den Zug. Auch auf diese Weise sind wir noch über 20 Kilometer gelaufen. Wir spüren den Weg in den Füßen besonders, als wir in Stendal noch durch die ganze Stadt laufen müssen, um in unsere Hotels zu kommen. Trotzdem verabreden wir uns für ein gemeinsames Abendessen, um so den Tag gemeinsam zu beschließen.

Alle Kirchen, in denen wir auf dem Weg gerne innegehalten hätten, waren verschlossen. Diana und Torsten beschließen, am nächsten Tag nach Berlin zurückzufahren – aus verschiedenen Gründen, aber die Beine haben daran auch einen kleinen Anteil. Wir recherchieren gemeinsam im Internet, dass der Dom wohl am nächsten Tag geöffnet haben sollte, und verabreden uns dort zum Abschluss unserer gemeinsamen Pilgerzeit.

Weg und Bilder in Komoot: 8. Pilgertag

7. Pilgertag: Karfreitag von Genthin nach Jerichow

Ich treffe Diana und Torsten um 9:30 Uhr an der Trinitatiskirche. Sie ist -wie die Pfarrerin versprochen hatte – wegen des bald beginnenden Gottesdienstes offen. So können wir mit einer kleinen Besinnung in der Kirche und mit ein paar Worten zum Pilgern beginnen.

Danach geht es raus aus der kleinen Stadt, kilometerlang über eine kleine Landstraße, die Gott sei Dank nicht stark befahren ist. Das Wetter ist deutlich besser als am Tag zuvor, es gibt nur noch kleine Niesel-Abschnitte und der Himmel bleibt bedeckt.

Um nicht den ganzen Weg nach Jericho auf diese Weise zurücklegen zu müssen, wählen wir einen Umweg, der uns auf Forststraßen zu unserem Ziel bringt: das ist zunächst die Pension, die wir unabhängig voneinander gebucht hatten, und die deutlich bessere Zeiten gesehen hat.

Wir wollten den Tag im Kloster Jerichow abschließen, aber es war bereits zu spät. So nehmen wir zusammen ein frühes Abendessen in diesem kleinen, abweisend wirkenden Ort.

Weg und Bilder in Komoot: 7. Pilgertag

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