unterwegs für eine Vision

Tag: 3. Mai 2022

24. Pilgertag: Von Westfeld nach Lamspringe

Dieser Tag heute war wieder einmal ganz besonders. Die Kulturherberge, von einem Wochenendmusikfestival noch leicht verwüstet, mit einem leeren „Pilger Kiosk“ trieb uns dann früh aus dem Haus. Und das war letztlich auch sehr gut so.
Der Weg entlang eines Höhenzugs, der Rennsteig, ein jahrhundertealter Verbindungsweg von Hildesheim nach Süden, ist in dieser Jahreszeit wunderschön; nach kurzer Zeit waren wir nur noch in der Sonne unterwegs, und während es morgens noch sehr kalt war, mussten wir auf dem bergigen Weg dann Stück für Stück Kleidung ablegen.

Nach einiger Zeit wollten wir zu einer kleinen Besinnung anhalten, und dabei musste ich feststellen, dass mein Anorak, den ich – wie ich dachte – sorgfältig auf dem Pilgerwagen verstaut hatte, weg war. Er musste sich unterwegs auf den letzten Kilometern unbemerkt von dort gelöst haben.
Merlin überredete mich, mit dem ganzen Gepäck dazubleiben, und er, ein wirklicher Profiwanderer, ist den Weg zurückgegangen, um nach dem verlorenen Teil zu suchen. Er hat ihn tatsächlich gefunden, und das hat über eine Stunde gedauert.

In dieser Stunde erlebte ich einen extremen inneren Prozess. Ich habe die Zeit für eine Art Gehmeditation genutzt, die in mir viele Aspekte bewegte, die mit meinem persönlichen Pilgerthema zu tun haben. Ich möchte hier nur andeuten, dass das mit Fürsorge für mich und andere und der dazugehörigen Achtsamkeit zu tun hat. Und diese Unachtsamkeit hier hat einen ganz deutlichen Bezug zu der Unachtsamkeit vor einigen Tagen, in der ich mich selbst verletzte. Es ist ein typisches Pilgererlebnis, wie ich das von meinem Weg vor 3 Jahren her kenne: Ich fühle mich in jeder Zelle meines Körpers angefasst und von starken Emotionen überwältigt. Ohne sofort intellektuell zu verstehen, ist doch klar, dass das Erleben eine äußerst wichtige Bedeutung hat. Ich bin sehr froh, mit meinem Freund länger darüber sprechen zu können, weiter durch die sonnige wunderschöne Landschaft zu wandern, um dann in dem Flecken Lamspringe anzukommen, wo Merlin den Bus zurück nach Hildesheim nimmt.

Kein Cafe und kein Restaurant hat an diesem Montag geöffnet. So begnüge ich mich mit meinen Notvorräten und spüre noch lange im Klosterpark meiner bleibenden inneren Aufregung nach. Diesen Text schreibe ich am späten Abend im Zimmer meiner Pension.

Weg und Bilder in Komoot: 24. Pilgertag, von Wernerhöhe nach Lamspringe

21.-23. Pilgertag: Nach, in und von Hildesheim

Am Freitag begleitet mich mein Freund Merlin, und wir treffen uns schon in Hildesheim am Bahnhof, um gemeinsam nach Sarstedt zu fahren, genau dahin, wo ich am Tag zuvor den Weg beendet hatte. Er führt meist direkt an der Innerste entlang, und ist ähnlich schön (und mir unbekannt) wie der vom Vortag.

Es hat etwas Seltsames an sich, dann in die Stadt hinein zu wandern und nun pilgernd die Wege zu gehen, die ich sonst als Spaziergänger unterwegs bin.
Ich bin früh zu Hause, und neugierig auf die Abendveranstaltung in der Martin-Luther Kirche, die in der Zeitung recht groß angekündigt war. Es ist dann ähnlich wie in Wolfsburg, die Unterstützung durch die Kirchengemeinde erweist sich als hilfreicher als die publizistische Ankündigung. Hierher kommen natürlich auch einige meiner Freunde, und so bin ich mit dem Ergebnis durchaus zufrieden.

Die Übernachtung im „eigenen Bett“ fühlt sich dann wieder eher fremd an. Während der Pilgerreise gibt es zwischendurch immer noch und immer wieder etwas zu organisieren, dadurch ist auch der Kontakt zu meiner Frau Sylvia beeinträchtigt. Sie hatte für wunderbaren Blumenschmuck gesorgt, der den etwas tristen Gemeinderaum für Impuls, Gespräch und Meditation deutlich aufwertete. Ausgerechnet davon hatte niemand ein Bild gemacht, und ich selbst war viel zu beschäftigt, um daran denken zu können. Schade.

Weg und Bilder in Komoot: 21. Pilgertag, von Sarstedt nach Hildesheim

Ebenfalls in der Zeitung angekündigt war der Rund-Pilgerweg um Hildesheim herum, der am Samstag vor der Godehardikirche begann.

Es waren über 20 Personen, die sich dort einfanden und eine interessante Mischung aus Freunden, diesmal vielen Interessenten, die durch die Zeitung aufmerksam geworden waren und Gemeindemitgliedern: Lutz Krügener, der Pastor der Martin-Luther Gemeinde, in der am Freitag die Veranstaltung stattfinden konnte, hatte zufälligerweise für denselben Tag einen Pilgerweg geplant, den er dann mit meinem zusammenlegte. Da wir uns auf Anhieb gut miteinander verstanden, wechselten wir uns ganz selbstverständlich in den Impulsen und Anleitungen, die wir den Tag über einbrachten, ab.

Es wurde ein sehr schöner Tag, in dem im ersten Teil auf dem längeren Weg zum Kloster Marienrode und zurück in die Stadt zur Sankt Mauritius Kirche das Unterwegssein auf dem Pilgerweg im Vordergrund stand, und dann im zweiten Teil in den großen Kirchen Sankt Michaelis, dem Dom und der Godehardi Kirche das Innehalten zu bestimmten Themen.

Ein besonderer Bezug darf hier nicht fehlen: im Kloster Marienrode, auf dem Betriebshof, waren bis vor wenigen Wochen die Sandsteinplatten gelagert, die beim Umbau des Hildesheimer Doms vom Domhof Gelände dorthin ausgelagert waren. Durch eine äußerst glückliche Fügung sind diese Steine inzwischen als Schenkung im Kloster Gerode gelagert und warten darauf in der nächsten Ausbaustufe im Innenraum der Geroder Klosterkirche als Bodenbelag ihrer neuen Bestimmung entgegenzugehen: Im Jubiläumsjahr 2024 wird dann dieser Raum zunächst schon für Open Air Veranstaltungen genutzt werden können. Meine Pilgeraktion und eure Spenden werden dazu einen wichtigen Beitrag leisten!

Weg und Bilder in Komoot: 22. Pilgertag, Rundpilgerweg Hildesheim

Am Sonntag stand dann der Aufbruch aus Hildesheim auf die letzten Etappen des Wegs an. Wieder war Merlin dabei, der mich 3 Tage begleiten konnte, außerdem meine Freunde Detlef und Matthias, der leider nur ein Stück des Weges mitgehen konnte. Wir vier Männer begannen den Weg beim Labyrinth im Kloster Marienrode. Es ist nach dem Vorbild des Labyrinths in der Kathedrale von Chartres gestaltet, und wie der Pilgerweg ein anderes mächtiges Symbol für unseren Lebensweg, der in vielen Irrungen und Windungen doch sein Ziel in der Mitte, die die Verschmelzung mit Gott symbolisiert, erreicht.

Von hier aus konnten wir ein großes Stück des Weges der via Skandinavica folgen, die jetzt durch die abwechslungsreiche und bergige Landschaft zwischen Hildesheim und dem Harz führt. Und hier freute ich mich auch über die Unterstützung, die ich von meinen Freunden erhielt, um mit dem Pilgerwagen manche steile Strecke zu bewältigen.

Das Wetter war immer noch recht kühl, aber deutlich besser als es von der Vorhersage her zu erwarten war. Unser Ziel, die Kulturherberge in Westfeld, erreichten wir frühzeitig genug, so dass Detlef vom Nachbarort aus seinen Bus zurück nach Hildesheim erreichte, und ich mir mit Merlin ein bescheidenes Mahl zubereiten konnte – mit den Lebensmitteln, die wir mitgebracht hatten.


Weg und Bilder in Komoot: 23. Pilgertag, von Hildesheim nach Wernerhöhe

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