unterwegs für eine Vision

Monat: April 2022 (Seite 1 von 5)

19. und 20. Pilgertag: Von Burgdorf über Hannover nach Sarstedt – mit einem kleinen Erschrecken

Ich komme meiner Heimatstadt Hildesheim näher. Es erreicht mich die Nachricht, dass in der Hildesheimer Zeitung die Veranstaltung am Freitag und der Pilgerrundweg am Samstag (beides zusammen mit Pastor Lutz Krügener) groß angekündigt worden ist. Die Chancen auf eine rege Teilnahme sind also gut.

Ich bin derweil (am Mittwoch) aus meiner kleinen türkischen, familiären Pension in Burgdorf – wieder bei schönstem Wetter – aufgebrochen. Sowohl das Städtchen als auch die Landschaft drumherum begeistern mich. Wie in den Tagen vorher schon bin ich verwundert durch eine vermutete Rübenwüste gepilgert, die dann ganz anders war als vorgestellt.

Und dann passiert es.

Obwohl ich vor- und umsichtig abseits der Wege im Wald unterwegs war, bricht ein stabil anmutender Baumstamm unter mir zusammen und ich ziehe mir eine leichte Verletzung am Oberschenkel zu, die zunächst recht schmerzhaft ist, nach Behandlung mit meinen mitgeführten Hausmitteln erträglich erscheint, mich aber nach einigen Kilometern doch zum Aufgeben bereits in Kirchhorst zwingt. Es wird so der kürzeste Pilgerweg, keine 10 km.

Natürlich sind da sofort die Sorgen präsent, wie das weitergehen kann. Nun: zunächst sitze ich im Bus nach Hannover, der mich mitten in die Stadt bringt. Kurz vor der Bushaltestelle habe ich noch ein besonderes Erlebnis in der kleinen Kirche am Weg, die wundersamerweise leer und offen ist und mit einem Kreuz am Altar versehen, das mich berührt und fasziniert und mir wie „geschickt“ zu meiner Verletzung erscheint: Es ist ein gleichschenkeliges Kreuz aus Ruten geflochten, in das frisch aufsprießende Zweige geflochten sind. Es ist das Leben im Tod, das Neue im Sterbenden, die Hoffnung im Schmerz!

In Hannover werde ich von meinen Freunden Erika und Konrad erwartet, allerdings nicht so zeitig!

Wie gut es ist, die Sorgen teilen zu können! Es stellt sich heraus, dass die Verletzung trotz des Schmerzes recht oberflächlich ist und ich beginne wieder Hoffnung zu schöpfen, dass ich am Donnerstag doch weiterpilgern könnte; es hat sich Claudia zum Mitpilgern angemeldet, die selbst etwas vorsichtig mit der zurückzulegenden Strecke war und so vereinbaren wir noch per SMS, mit der Tram ein wenig weiter aus der Stadt rauszufahren und uns so zu treffen, dass bis Sarstedt ca. 15 km zu gehen sein würden. Ich bin in vorsichtiger Hoffnung, dass sich die Schürfung über Nacht beruhigen könnte.

Am Abend ist zunächst im Seminarraum meines Freundes Matthias im NIS Hannover eine weitere Veranstaltung geplant. Er selbst kann gar nicht dabei sein, die Zeitung hat das nur sehr versteckt und minimal angekündigt und so wird es mit 9 Teilnehmenden eine intensive und intime Runde im Freundeskreis von Menschen, zu denen eher „familiäre“ Bezüge bestehen. Für mich ist es sowieso Heimat, seit 15 Jahren leiten wir gemeinsam dort die monatlichen Mittwoch-Morgen-Meditationen an und nun wächst auch dort das Interesse am Friedensort Gerode. Neben den Spenden ist das immer ein zweiter Gewinn: die Menschen, die kommen, werden aufmerksam und neugierig auf den Ort, dem ein solches Projekt gewidmet ist.

Am Donnerstagmorgen kann ich feststellen, dass sich die Wunde beruhigt hat, ich kann nicht gut sitzen aber offensichtlich gut gehen. Nach einem herzlichen und berührenden Abschied – Erika und Konrad singen mir den irischen Reisesegen, der mich auch in Berlin auf den Weg gewiesen hat, fahre ich mit der Straßenbahn und mit erstarktem Mut zum vereinbarten Treffpunkt im Süden der Stadt. Claudia und ich waren uns schon in Gerode begegnet und wir finden schnell einen meditativen Einstieg in den Tag. Ich spreche über meinen Vorbehalt, dass ich mir nicht sicher sein kann, den ganzen Weg zu schaffen.

Das Wetter ist traumhaft, die Landschaft entlang der Leine, der Innerste und der Giftener Seen ist wunderschön. Und es fällt mir nicht schwer, den ganzen Weg dabei zu bleiben. Es hat sogar eine tiefere Dimension, die ich nur andeuten kann: Die „Wunde“ schmerzt nicht und hindert mich nicht und doch ist sie dauernd präsent.

Wir erreichen die alte Saarstedter St. Nicolaikirche, die wir uns als Pilgerziel gesetzt hatten, um den Tag rituell ausklingen zu lassen. Sie ist verschlossen.

Aber sie bleibt es nicht. Wir, (und besonders ich mit meinem Pilgerwagen) als „Nicht-Touristen“ erkennbar, werden von einem Mann angesprochen, der sich als Kirchenvorstand vorstellt und für uns beide die Kirche aufschließt. Und so haben wir einen guten Ort, die gemeinsame Zeit besinnlich zu beenden.

Claudia fährt mit der Straßenbahn zurück und ich gehe zum Zug, um diesen Tag entgegen der Planung mit einer Fahrt nach Hause in Hildesheim abzuschließen, wo ich die immer unwichtiger werdende Verletzung besser versorgen kann. Und hier schreibe ich am Tagesende noch diese Zeilen.

Weg und Bilder auf Komoot: 19. Pilgertag, von Burgdorf nach Hannover

Weg und Bilder auf Komoot: 20. Pilgertag, von Hannover nach Sarstedt

18. Pilgertag: von Sievershausen nach Burgdorf

Ich bin in einem kleinen Häuschen abseits untergebracht, als ich am nächsten Morgen zurückkomme und den Schlüssel abgebe, erreicht mich wieder diese besondere Energie, die vielleicht auch mit den dort aufgestellten mächtigen Skulpturen zu tun hat.

Mit Empfehlungen zu den schönen Dörfern in der Nähe des vor mir liegenden Weges breche ich auf. Das Wetter ist wunderbar geworden, und die Empfehlungen erweisen sich als überaus stimmig. Ich mache mehrere Pausen, beobachte die Störche auf dem Kirchendach, mache Rast in einem kleinen Museumsdorf mit nachgebauten Häusern aus der Eisenzeit und bin sehr gut unterwegs.

Sogar ein Regenschauer, der mich vollkommen überrascht, weil er in keiner App angekündigt war, kann mir nichts anhaben: „Zufällig“ erreiche ich nach 5 Minuten im Regen eine Art Bushaltestelle mitten im Wald, wo ich mich für eine halbe Stunde unterstellen kann. Und dann geht es weiter durch die frühlingshafte Landschaft nach Burgdorf.

Es war bisher einer meiner schönsten Pilgertage und es gibt einen Zusammenhang mit der Landschaft, durch die ich wandere: auch hier gibt es Spargelfelder, aber die sind viel integrierter und weniger umweltverschmutzend als ich das in Brandenburg erlebt habe. Und ohne den Berlinern jetzt nahe treten zu wollen: ich würde schon deshalb den Burgdorfer Spargel dem Beelitzer immer vorziehen.

Weg und Bilder in Komoot, 18. Pilgertag: von Sievershausen nach Burgdorf

17. Pilgertag: von Peine nach Sievershausen

Der Montagmorgen beginnt mit Einschränkungen: es regnet und da ich in der Unterkunft kein Frühstück bekomme, muss ich zum NP Markt in der Nähe, wo es ein kleines Stehcafé gibt mit Dingen, die ich normalerweise nicht so zu mir nehme. Aber pilgern heißt ja immer wieder auch nehmen, was kommt.
Der Regen hält glücklicherweise nicht lange an, und so gehe ich wieder einmal einen Kanal entlang in Richtung Sievershausen. Irgendwann verliere ich die Orientierung, und finde mich auf einem Wiesenweg wieder, wo sich nach kurzer Zeit erweist, dass meine Schuhe doch nicht wasserdicht sind. Nach einer halben Stunde sind Schuhe, Strümpfe, Einlegesohlen tropfnass, und ich beginne mir Sorgen zu machen, dass das in einer Erkältung enden könnte.

Und es kommt wieder einmal ganz anders: Ich finde im nächsten Ort eine kleine Bäckerei, in der ich mich erst einmal aufwärmen kann und im Gymnastikstudio daneben, darf ich mich umziehen. Die tropfnassen Einlegesohlen werden in Plastiktüten verpackt, und so kann ich tatsächlich trockenen Fußes in meinen Turnschuhen weitergehen. Es ist nicht mehr sehr weit zum Antikriegs-Haus in Sievershausen, dass ich am Nachmittag erreiche.

Es ist ein besonderer Ort, dessen Magie ich mir überhaupt nicht erklären kann. Ich spüre einfach, dass das ein Kraftplatz ist, obwohl ich den Begriff „Antikriegs-Haus“ nicht mag, ich fände „Pro Frieden“-shaus besser.

Wege und Bilder in Komoot: 17. Pilgertag, von Peine nach Sievershausen

Resümee: 11. bis 16. Pilgertag

Es ist Sonntagabend und ich sitze in einem kleinen Zimmer, in einer typischen Monteurunterkunft. Die letzten Tage waren so voll, meist auch an den Abenden, dass ich erst heute wirklich Zeit finde, den Weg und was mir darüber hinaus noch wichtig erscheint zu beschreiben. Petra hat die treuen Blog-Leser ja schon darüber informiert, dass es mir manchmal einfach nicht möglich ist, mich am Abend noch aufs Schreiben zu konzentrieren.
Heute bin ich früh dran. Der Weg war nicht besonders weit. Ich bin wieder allein unterwegs und es gibt auch nichts vorzubereiten.

In den letzten Tage war das ja meist anders:

Mit dem Weg von Gardelegen nach Kusey habe ich eine lange Phase des allein unterwegs Seins abgeschlossen. Die Tage seit Mittwoch bis gestern waren gefüllt von Begegnungen und dem Zusammensein mit vielen vertrauten Menschen und dem Eintauchen in ihre familiären Situationen.

Ich habe mich darin sehr angenommen und ausnahmslos wohl gefühlt. Ich war eigentlich immer Teil einer Familie und die Hilfsbereitschaft war enorm. So ging es zum Beispiel immer mal wieder darum, mich und andere Mitpilgernde irgendwo hinzubringen oder abzuholen, um den Weg anzupassen, das Gepäck zu transportieren oder um Material zu den Veranstaltungen zu bringen. Es fühlte sich fast so an, als ob ein ganzer Fuhrpark nötig wäre, um das Pilgerprojekt zu unterstützen: Bis Wolfsburg Petra und ihre Tochter Anna als Chauffeurinnen, in Wolfsburg dann Colins Eltern, die uns und Colins kranke Tochter entsprechend von da nach dort transportierten, so dass alles wie am Schnürchen laufen konnte.

Die Hilfsbereitschaft und das bedingungslose Angenommensein erfüllt mich mit großer Dankbarkeit. Dies war eine wunderbare Grundlage für die Veranstaltungen, die vor mir lagen.

In Wolfsburg war in den 2 großen Zeitungen jeweils ein ausführlicher Artikel zu dem gesamten Pilgervorhaben und zu der Veranstaltung in der Heilig-Geist Kirche – einem spektakulärer, moderner Kirchenbau des finnischen Architekten Alvar Aalto – erschienen. Und so waren wir alle, Petra, Colin und sein Vater, der ebenfalls mitkam, entsprechend neugierig, wieviele Menschen denn wohl kommen würden.

Wir waren dann zusammen 15 Personen im Gemeinderaum. Eine gute Anzahl, um miteinander wirklich ins Gespräch zu kommen. Im ersten Teil erläuterte ich den Sinn und Zweck der Pilgerreise, im zweiten Teil sprach ich darüber, dass wir mit dem Frieden in uns selbst beginnen sollten, und nach einer Pause endete der Abend mit einer Meditation zu diesem inneren Frieden.

Ein wenig enttäuscht war ich schon, dass sich trotz der enormen journalistischen Vorarbeit nicht mehr Menschen eingefunden hatten. Gleichwohl fühlte sich der gesamte Abend rund und stimmig an.

Überraschenderweise war das gestern, 2 Tage später, in Braunschweig genauso: Auch die kleine Kapelle, die man mir dort in der Riddagshauser Klosteranlage zur Verfügung gestellt hatte, war ein wunderschöner kleiner Raum. Ob die Veranstaltung in der Zeitung überhaupt angekündigt worden war, dazu wusste ich nichts, denn es gab keine Rückmeldung an mich.

Nun: ich bin nicht allein geblieben. Es kam eine nette ältere Dame, mit einem Zeitungsausschnitt in der Hand, der die Veranstaltung vor über 2 Wochen in 3 Sätzen angekündigt hatte. Wir kamen gut miteinander ins Gespräch und haben die Zeit mit einer kleinen Besinnung zum Friedensthema beendet. Die besagte Überraschung war tatsächlich, dass ich keinerlei Enttäuschung in mir spürte. Es war wie es war und es war gut so.

Angekommen.

16. Pilgertag: von Braunschweig nach Peine

Um meiner Selbstfürsorge treu zu bleiben, bin ich heute Morgen von Riddagshausen im Südosten nach Lehndorf im Nordwesten von Braunschweig mit dem Bus gefahren. Der Weg aus der Stadt heraus führte durch riesige Heimgartenanlagen, ein kleines Waldgebiet und dann durch Felder und Wiesen.

Das ist mir alles deutlich vertrauter als die endlosen landwirtschaftlichen Flächen zwischen Berlin und Gardelegen. Obwohl die Landschaft sehr eben ist, fühlt sich das alles hier deutlich heimatlicher an.

Weg und Bilder in Komoot: 16. Pilgertag, von Braunschweig nach Peine

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