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Pilgerblog

Unter dem Motto "In Frieden kommen - Unterwegs für eine Vision" war ich vom 7.April bis zum 8. Mai 2022 über 600 km pilgernd unterwegs - in einem großen Bogen durch Ost und Norddeutschland von Berlin zum Kloster Gerode. Einen Teil des Weges ging ich alleine, meist aber in Begleitung von kleineren und größeren Gruppen, und konnte dabei Spendengelder für den Ausbau der Klosterkirche zu einem Friedenszentrums einwerben.
Hier ist für Interessierte an den tieferen Erfahrungen auf dem Weg der Text und viele Bilder des urspünglichen Blogs zusammengefasst.

Ein Resümee des Pilgerwegs und eine Bewertung einige Monate danach

Der Kirchenraum im Kloster Gerode war nicht nur räumliches, sondern auch ideelles Ziel der Reise: In dieser überkonfessionellen Kirche des „Klosters des 3. Jahrtausends“ sollen im Jahr 2024 die Feiern zum 900-jährigen Bestehen der Klosteranlage und zum 30-jährigen Wirken des WEG DER MITTE dort stattfinden, dies vermutlich noch „open air“. Für die endgültige Sicherung und den weiteren Ausbau, in dem dann das Friedenszentrum auch ein Dach erhalten soll, sind die Gelder bestimmt, die das Pilgerprojekt einsammelte (und weiter einwirbt.)

Hier folgt - im Abstand mehrerer Wochen - eine Zusammenfassung besonders für diejenigen, die das Projekt auf so vielfältige Weise unterstützt und begleitet haben.

Zunächst ein Blick auf den äußeren Weg. Er führte durch extrem unterschiedlich erlebte Landschaften. In manchen fühlte ich mich teils sehr fremd und verloren, andere waren in dieser schönen Frühlingszeit ein Genuss für das Auge und Nahrung für die Seele.

Es gab Wege durch endlos erscheinende verwahrloste und ausgebeutete Natur, kilometerlang auch durch verwüsteten Monokultur-Wald oder entlang der toten Wässer von Kanälen. Landschaften, die durch das völlige Fehlen von Rastplätzen oder einer Bank schon anzeigen, dass hier niemand wandernd oder spazierend unterwegs sein möchte.

Und es gab die einladenden Wege entlang von lebendigen Flüssen, durch hellgrün leuchtenden Mischwald und bestellte Felder, die die Achtung der Natur spüren ließen, gewundene Wege und manchmal für den Pilgerwagen auch anspruchsvolle Pfade durch die heimelige Hügellandschaft am Elm und im Vorharz.

Als gebürtiger Bayer liegt mir letzteres natürlich näher und trotzdem macht nicht die Form den Unterschied, sondern der im Durchwandern erfahrbare Umgang der Menschen mit dem, was wir an Natur (noch) haben.

Auf einem Pilgerweg sind wir immer wieder angewiesen auf gute Plätze des Innehaltens, an denen die Verbindung mit dem inneren Pilgerziel unterstützt wird. Dies kann in der Natur sein oder in dafür geeigneten meditativen Räumen. Von meiner ersten Pilgerreise her war ich gewohnt, die Kirchen auf dem Weg dafür zu nutzen und fand damals die allermeisten auch offen. Diesmal war auch das sehr anders. Einige der besonderen „Durchbruchs“-Erfahrungen waren dann auch in den wenigen offen vorgefundenen Besinnungsräumen (Kloster Lehnin und Neuendorf, Kirche in Burgdorf), oft stand ich vor verschlossenen Kirchentüren, die damit eine ähnliche Abweisung erzeugten wie der Weg durch manche Gegend.

Zu dieser teils schwierigen äußeren Erfahrungswelt gibt es ein deutliches Gegengewicht auf der sozialen Ebene der erlebten Beziehungen. Das ist die freundliche Aufnahme durch so viele unterstützende Menschen aus meinem Freundeskreis und ebenso von mir persönlich ganz unbekannten Menschen, die dem WEG DER MITTE nahestehen und das Projekt durch ihre Gastfreundschaft oder andere Beiträge unterstützten.

Die deutlich positivste Erfahrung auf dem Weg war: Immer wieder ein bedingungsloses Angenommen-Sein zu erleben, ganz selbstverständlich im Lebens- und Familienfeld aufgenommen zu sein und so viel (auch logistische) Unterstützung zu bekommen.

Zu diesem positiven Beziehungsfeld gehören auch die vielen Menschen, die Teile des Wegs mit mir geteilt haben. Neben Freunden waren das auch wieder mir zu Beginn ganz unbekannte Mitpilgernde: es war spannend und schön, sich dann auf dem Weg sprechend - und schweigend - kennen zu lernen.

Durch Hilfsbereitschaft und Kreativität war auch die Vorbereitung des Projekts gekennzeichnet, durch die gesamte Fundraisinggruppe und die Menschen des WEG DER MITTE in Berlin, Göttingen und Gerode - vorher, unterwegs und auch noch danach. Zu dem Dank an all diese Menschen gehört - und selten passt „last but not least“ so gut wie hier - der ganz besondere Dank an Petra, die so viel Energie und Zeit für das Projekt eingesetzt hat, dass es gar nicht anders beschreibbar ist als: unermüdlich und grenzenlos.

Meine eigenen Grenzen allerdings habe ich in diesem Pilgern immer wieder kennen gelernt und musste ein gutes Umgehen dafür finden. Die Vorbereitungen, besonders die aufwendigen und nicht immer erfolg- oder hilfreichen Pressekontakte, haben trotz aller Hilfe mehr Einsatz verlangt, als ich mir das vorgestellt hatte. Die Grenzen waren weniger in der körperlichen Leistungsfähigkeit spürbar als in der Notwendigkeit, einen bestimmten Energielevel zu halten, der ja nicht nur (so wie ich das kannte) meinen eigenen Weg und dessen Verarbeitung zu gewährleisten hatte, sondern auch noch an vielen Abenden für die Veranstaltungen und das „drum rum“ reichen musste. Und da war es dann auch gut, immer wieder mal einen oder mehrere Tage alleine unterwegs zu sein, wo ich die Verantwortung nur für mich selbst hatte.

Unterstützend aber war immer das Bewusstsein, eingebettet zu sein in einer Gemeinschaft – auch da, wo ich alleine unterwegs war.

Gerne würde ich hier auch schon den finanziellen Ertrag vermelden. Dies wird auf alle Fälle hier noch erfolgen. Aber da verständlicherweise noch nicht alle (v.a. die km-Spenden) eingegangen sind und verbucht werden konnten, ist das Ergebnis nur vorläufig. Sicher kann gesagt werden, dass die finanzielle Unterstützung über Spenden deutlich mehr als 13000 EUR beträgt. Und das ist auf alle Fälle ein sehr schönes Ergebnis, für das ich gerne auch hier schon den Dank an die Gebenden ausspreche.

Ein Kuriosum bleibt anzufügen. Gerade mit der Spendenform, auf die ich selbst besonders gesetzt hatte, nämlich auf das Angebot „Coaching auf dem Pilgerweg“ ist das Ergebnis gleich Null. Ich mag auch das nicht abschließend bewerten. Die Richtung in die ich denke ist:

Ich hatte auf die zahlungsfähige Klientel in meinem jetzigen und früheren beruflichen Umfeld gesetzt, hatte den Weg über meine Wirkungsfelder in Wolfsburg und Hannover geführt, das intensiv kommuniziert und beworben und ermutigende erste Rückmeldungen erhalten. Aber vielleicht ist diese Form der Beziehung nicht hinreichend für das, was wir da bewegen wollen?

Mit meinem ganz persönlichen Resümee der inneren Verarbeitung und Erkenntnis bin ich noch nicht fertig. Was schon angesprochen und klar erscheint:

Das äußere, immer wieder auch schwierige Feld darf nicht bestimmen über die innere Orientierung; es muss klar gesehen, zur Kenntnis genommen und bewegt werden, denn es ist immer ein Spiegel für den inneren Weg. Die ermutigenden Erlebnisse von Offenheit und des Angenommen-Seins auf der Beziehungs-Ebene sind auf dieser Pilgerreise zentral. Und auch die geistige Dimension, etwas zu schaffen, was an die Grenzen der Energie geht.

Danke an euch alle, die ihr das lest und teilt.

Nachbetrachtung zum Jahreswechsel 2022/23
Der Friedensweg ist vollendet - ein Kreis hat sich geschlossen

Sylvester 2022/23 beim Retreat "Innere Einkehr" im Kloster Gerode: Das Festmal ist gerichtet. Und ich bin wieder hier an dem vertrauten Ort, um mit meiner Frau Sylvia in der Klostergemeinschaft einen feierlichen, ruhigen Übergang ins neue Jahr zu erleben - abseits von Lärm und Countdown und in einer inneren Haltung von Offenheit und Empfänglichkeit. So wie ich im Pilgern unterwegs war.

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Es wird eine besondere Erfahrung. Seit dem Ende der "physischen" Pilgertour war ich mehrfach hier: um zu arbeiten, zu fasten oder um einen Besinnungsraum in den verschiedenen Krisen der vergangenen Monate zu finden. Das Gefühl war ja immer noch da, dass der Pilgerweg in seiner spirituellen Bedeutung für mich noch nicht zu Ende war.

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In den Tagen um die Jahreswende hat sich das nun deutlich verändert in einem intuitiven Wissen und einem geistigem Erkennen, dass der Weg der Friedenssuche an ein Ende gekommen ist; dass sich ein Kreis des Bewusstseins geschlossen hat.

Beim Wegfahren konnte ich diesen Unterschied ganz klar spüren und auch benennen: Die Pilgerreise, in der ich selbst als Suchender mit meiner Friedensbitte unterwegs war, hat ihren Zielpunkt erreicht. Sie begann vor fast genau einem Jahr mit den Vorbereitungen zuhause im Januar 2022, sie startete im Weg der Mitte in Berlin am 7. April 2022, kam an das Ziel am 8. Mai in Gerode und endet nun ein Jahr später wieder zuhause im Nachspüren und Reflektieren. Die Erkenntnisse, auf die ich über die vergangene schwere Zeit gehofft hatte, wurden mir in diesen Tagen der Ruhe und Intimität geschenkt. Und ich erinnere mich an das Symbol für den Weg, das Anna für die Auftaktveranstaltung so wunderschön gestaltet hatte:

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Ja, die Blumen begleiteten mich unterwegs auf dem silbernen Weg vor allem als Begegnungen mit den Menschen; die Türen des Ein- und Austretens und der harte Boden der Alltagsrealität darum herum waren die zu bewältigende Herausforderung davor und danach!

Hier (in diesem eher öffentlichen Raum) erscheint es mir nicht angebracht, das im Detail auszuführen. Aber einige wichtige Punkte möchte ich doch benennen, besonders in Respekt zu den Menschen, die meinen Weg interessiert verfolgt, persönlich begleitet und ideell und materiell unterstützt haben. Es sind auch Aspekte, die geeignet sind, eine Entscheidung zum Pilgern in der Tiefe als eine Lebensentscheidung zur Transformation zu begreifen.

Über die Gefahr der Überschätzung meiner Energie (und dazu gehört auch, diese planbar abrufen zu können) habe ich in den letzten Einträgen hier schon gesprochen. Mein Körper hat sehr deutlich reagiert, die Zeit bis in den Winter hinein war von körperlicher Eischränkung und Krankheit überschattet. In all dem trotzdem (m)einen Frieden zu finden - oder vielleicht besser: zu behalten - gelang mir erst jetzt in diesen Tagen. Das ist verbunden mit der Erkenntnis, wie sehr uns eine ängstliche Fixierung auf das Negative schwächt. Mein Geist hatte sich in Reaktion auf die Körpersymptome "auf die Lauer gelegt" und das war erst in der vollkommenen Ruhe der Auszeit erkennbar. Natürlich "wusste" ich das schon immer; hier lassen sich aber auch gut "Wissen" und "Erkenntnis" unterscheiden: letztere ist lebenspraktische Verfügbarkeit und seelische Verankerung. In diesem Thema ist wie so oft eine Parallele zur gesamtgesellschaftlichen Auseinandersetzung mit den globalen Krisenthemen zu finden.

Auf der anderen Seite durfte ich aber auch noch einmal deutlich sehen, wie viele Menschen sich über die Reise hatten berühren lassen. Dies jetzt an diesem Ort und in diesem Abstand noch einmal zu erfahren, führte zu einer ganz neuen Bestärkung meiner weiteren Ausrichtung, wie ich in den nächsten Jahren wirken möchte. In ihr spielt meine Verbindung zu Gerode, zu den Menschen, dem Ort und den dort ganz natürlich aufkeimenden Themen von Innerlichkeit, Erweiterung und Befriedung eine wesentliche Rolle.

Das Alles in das kürzest mögliche Resümee gepackt:

Es gibt einen Frieden im Unfrieden.

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Und deshalb brauchen wir ein Zentrum für den Frieden, wie es in Gerode wachsen wird, in dem die Wege dahin erforscht und gefördert werden, in dem der Frieden in den Gegensätzen gesucht und das Trennende im Konflikt überwunden werden kann. Es wird ein "Weg der Mitte" sein.

Reinhard Billmeier, im Januar 2023



DER GESAMTE BLOG ZUM PILGERWEG

Vorbereitung: Ermutigung

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Ermutigung. Dieses Wort tauchte heute beim Meditieren in mir auf. Ich brauche Ermutigung in diesen Tagen und in dieser Zeit und vermutlich geht es euch ähnlich.

Seit vielen Wochen bereite ich nun mein Pilgern für das Friedenszentrum vor und nun behält es diese Aktualität, die grausam und im wahren Wortsinn für uns trotz vieler Bilder unvorstellbar bleibt. Zunächst war meine Reaktion: Genau der richtige Impuls in dieser Zeit.

Je länger aber der Krieg, das Töten und die Zerstörung andauern, umso mehr wird dieser Satz in mir schal. Auch ich spende für die Opfer des Krieges - das kann die Ohnmacht aber nicht vertreiben, die die visionäre Vorstellung des Auf- und Ausbaus eines Friedenszentrums angreift. Ich erlebe dies derzeit als einen echten inneren Konflikt.

Und dann taucht daneben auch der Satz auf: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“. Er wird Martin Luther zugeschrieben, und wer das auch immer gesagt haben mag: in diesem Satz ist der andere Pol des inneren Konflikts benannt.

Eine meiner wesentlichen Erfahrungen insbesondere im Pilgern ist, dass wir mit allen Themen in Frieden kommen können, und dass dieses eigene, innere "in Frieden kommen" die Voraussetzung dafür ist, nach außen friedvoll zu sein.

Und so blicke ich, meiner polaren inneren Welt bewusst, auf dieses Projekt hier und bin bereit, weiter meine ganze Energie einzusetzen, dass dieser Ort, der friedvollste, den ich kennengelernt habe, wachsen kann.

Und so sind diese Zeilen die Einladung zu einer gegenseitigen Ermutigung: Für mich zählt jede Reaktion / Rückmeldung dazu, dein inhaltliches Interesse an der Beschreibung und diesem Blog, der jetzt noch sporadisch, ab 8. 4. aber regelmäßig von unterwegs aktualisiert wird.

Bitte schaue auf die Möglichkeiten, wie du > "dabei sein" könntest .

Erschütternde Aktualität

Ich bin, wie alle Menschen in meinem Umfeld, erschüttert von dem Krieg, der in allernächster Nachbarschaft tobt, und von dem Leid, das er über so viele Menschen bringt.

Als ich dieses "Friedenspilgern" gestartet habe, war nicht im Entferntesten daran zu denken, welch dramatische Aktualität es heute, wenige Wochen später, bekommen würde.

Und ich hoffe sehr, dass wir - ich selbst wie viele andere - aus den ersten Impulsen von Härte und Aufrüstung herauskommen. Den Weg hat Mahatma Gandhi gezeigt.

Ich habe mir vorgenommen, hier immer wieder an diesen möglichen gesellschaftlich-politischen Weg zu erinnern, der auf ewig mit seinem Namen verbunden bleiben wird.

„Es gibt keinen Weg zum Frieden, denn Frieden ist der Weg.“

(Mahatma Gandhi)



Auftaktveranstaltung im WEG DER MITTE

Eine freie A2 bringt uns (meine Frau Silvia und mich mit meinem ganzen Pilger Gepäck) von Hildesheim nach Berlin Zehlendorf, wo in der Ahornstraße das Stammhaus des Vereins WEG DER MITTE in Berlin ist.
Dort treffen sich am Freitagabend 17 Menschen, Mitarbeiter und Freunde des WEG DER MITTE und von mir. Der große Yoga und Meditationsraum ist mit einem besonderen Schmuck in der Mitte hergerichtet: es ist ein Symbol für den Pilgerweg auf den ich mich begebe bzw. in den Zeiten der Vorbereitung schon längst begeben habe. Ein Band verbindet den Anfang im Zentrum in Berlin mit dem Pilgerziel in der Klosterkirche in Gerode, den Friedensort, der zum Friedenszentrum werden wird.

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Dort wird das Projekt erläutert, ich spreche über meine Erfahrungen mit dem Pilgern vor 3 Jahren und den Möglichkeiten, sich diesem Pilgern im Jahr 2022 anzuschließen, und was an Veranstaltungen geplant ist.
Mit einer Friedensmeditation wird der inhaltliche Teil beendet. Wir gehen nach draußen, wo inzwischen ein Feuer brennt. Wer mag bekommt eine warme Suppe und zum Abschluss singen wir gemeinsam ein vedisches Mantra.

1. Pilgertag: von Berlin Zehlendorf nach Potsdam

Am nächsten Morgen, der erste Pilgertag, treffen wir uns in fast der gleichen Besetzung. Wir stimmen uns ein, und mit dem irischen Pilgersegen beginne ich meinen Weg - mit 15 Menschen, die mit pilgern. Die meiste Zeit gehen wir im Schweigen, immer wieder halten wir inne, mit kleinen Übungen der Achtsamkeit, um den Unterschied zu erfahren, der Pilgern vom Wandern unterscheidet.

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Der Weg führt durch lichten Wald aus Berlin heraus, den Mauerweg entlang, über die Glienicker Brücke mit ihrer bewegten Geschichte, und so begleitet uns das Friedens Thema von den ersten Schritten an: wir werden daran erinnert, daß heftige Veränderungen auf friedlichem Wege möglich sind.

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Glienicker Brücke

Das Wetter meint es gut mit uns: obwohl Regenschauer angesagt waren, kommen wir mit einer kleinen Ausnahme trockenen Fußes in Potsdam an, wo uns am Stadtrand einige verlassen und die Straßenbahn zurück nehmen.
Bei wieder schönen Wetter wandern wir mitten ins Zentrum von Potsdam hinein, wo wir in einer Beratungsstelle in einem schönen meditativen Raum das gemeinsame Erleben auch gemeinsam abschließen. DER Tenor ist große Dankbarkeit für die Erfahrung, wie bereichernd die Haltung des Pilgerns - auch an nur einem einzigen Tag - sein kann.

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Nach dem herzlichen Abschied kehrt die Gruppe nach Berlin zurück, und ich suche den Weg in meine kleine Pension, die ich vorher reserviert hatte. Um 8 Uhr liege ich im Bett, und eine tiefe Erschöpfung kommt über mich, die ich erst am nächsten Tage richtig einordnen kann.

2. Pilgertag: von Potsdam nach Fichtenwalde

Es ist Sonntag, der zweite Tag unterwegs. Ich habe 10 Stunden geschlafen und fühle mich kraftvoll. Ich sitze allein beim Frühstück und lasse die letzte Zeit Revue passieren: Mir wird bewusst wie viel Energie mich die Vorbereitung gekostet hat. Die Erschöpfung des Vortags ist nicht Ergebnis des Fußwegs, sondern mehr eine der inneren Verantwortlichkeit, die ja dann auch noch einmal in der Veranstaltung und in der Anleitung des Wegs für die Mitpilger gefordert war.
So mache ich mich an diesem zweiten Tag alleine und gleichzeitig frohgemut auf den Weg, der vom Forsthaus Templin nach Fichtenwalde führt, durch eine ähnliche Landschaft wie am Tag zuvor, die aber sehr viel einsamer erlebt wird.

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Regen und Hagelschauer, die nicht sehr lange dauern, überstehe ich zweimal beim Pause machen im Cafe und ein drittes Mal erwischt es mich eben unterwegs. Es ist kein Problem. Es gehört dazu. Punkt. Beim Weitergehen trocknet die Kleidung wieder.

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Der Empfang in Fichtenwalde bei Gerlind, die mich eingeladen hatte, ist unkompliziert und herzlich. Schon der Weg in diesen Ort hinein ist so auffällig freundlich, überall blühen Magnolien, Forsythien, Zierkirschbäumchen in allen Farben.

Ich komme zu meinem lange eingeübten AnkunftsRitual: unter die Dusche und dann eine halbe Stunde aufs Bett legen. Wir verbringen den Abend mit Gespräch, Gesang und Meditation in Gerlinds Yoga-Studio in ihrem Haus. Hier hat sie auch in Benefiz Yogastunden Spenden gesammelt. Der beachtliche Erlös kommt dem „Pilgern für den Frieden“ zu Gute.

3. Pilgertag: von Fichtenwalde nach Kloster Lehnin

Ein wunderschöner Morgen, kalt und klar. Nach einem Frühstück, wie ich es wohl die nächsten Tage nicht mehr bekommen werde, bringt Gerlind ein großes Glas mit Spendengeldern zum Tisch. Sie hat das bisher noch nicht selbst gezählt. Wir tun das zusammen: Es sind 366 €, eine schöne Zahl und ein wirklich sehr stattlicher Betrag dafür, daß sie an einem Tag ihren Yogaunterricht unter das Spendenthema gestellt hat und das bei ihren Teilnehmern einsammeln konnte!

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Danach war ein Telefonat mit den Wolfsburger Zeitungen angesagt, die am Gründonnerstag unter dem Friedensthema auch über meine Pilgerreise und das Fundraising berichten wollen.

Dann wandern wir los. Gerlind kommt mit und auch ihr quicklebendiger Hund Cooper. Der Weg wieder durch lichten Fichtenwald ist sonnig und schön. Wir kommen gut voran.

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Bei der Ankunft im Ort Kloster Lehnin bin ich total überrascht. Dorthin wollte ich ja pilgern, weil ich dort ein Kloster erwartet hatte. Im Internet hatte ich dann gar keine Kontaktadresse gefunden, sondern nur einen Artikel, den ich so interpretieren mußte, daß es dieses Kloster gar nicht mehr gibt.
Und wie es dieses Kloster gibt: Es erinnert mich stark an Jerichow, wohin ich in einigen Tagen noch kommen werde. Es ist eine wunderschöne große Anlage mit einer ebenso schönen Kirche.

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Dort beenden wir den Weg: Wir sind an diesem Tag wohl mehr gewandert als gepilgert, weil wir uns viel zu erzählen hatten und so die Schweigezeiten eher unbedeutend waren. Das wird an den nächsten Tagen sicher anders werden, denn da werde ich alleine unterwegs sein.
Ich bin dann eben nicht im Kloster untergekommen, das tatsächlich einen Beherbergungsbetrieb gehabt hätte, sondern in einer Kulturherberge. Ein ganz schönes, einfaches und schlichtes Zimmer mit Blick auf den Klostersee.
Am Abend wandere ich noch einmal in das kleine Städtchen, es gibt nicht viel Auswahl für das Essen und es ist gut so.
Im Nachspüren merke ich eine Traurigkeit. Ich bin jetzt wirklich allein und werde das die nächsten Tage auch sein. Die Begleitung der vielen Menschen an den ersten Tagen, die mit mir unterwegs waren, fehlt mir plötzlich.

4. Pilgertag: von Kloster Lehnin nach Brandenburg

Ich bin ausgeschlafen. Das Wetter ist wieder sehr schön und morgens kalt. Zum Frühstück muss ich in das Städtchen laufen und gehe bei der Gelegenheit noch einmal im Kloster und der Klosterkirche vorbei, ich möchte mir einen Stempel holen für meinen Pilgerausweis. Die Kirche ist abgeschlossen und ich wende mich an den daneben liegenden Beherbergungsbetrieb.

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Ein kleines Wunder geschieht: Ich bekomme den Schlüssel für die Kirche und kann dort für einige Zeit ganz alleine sein. Es ist ein erstes kleines Durchbruchs- Erlebnis. Es geschieht eine Ergriffenheit, die ich nicht oft erlebe, die sich Ausdruck verschaffen will im Singen, im Beten, im Weinen. Das ist nur möglich, weil es sich so gefügt hat.

Dann geht es los den Weg noch einmal zurück und dann weiter am See entlang, durch die zunächst noch gewohnte und schöne Landschaft mit dem lichten Fichtenwald. Nach einer Weile muss ich die A2 queren und es wird unangenehm laut, für eine sehr lange Zeit. Die Landschaft ändert sich. Zum ersten Mal ist sie so, wie ich es mir schon öfter vorgestellt hatte: Endlose landwirtschaftliche Flächen, die teils brachliegen und vollkommen überdüngt scheinen. Jedenfalls riecht es so. Viele Kilometer wandere ich so durch diese für meine bayerische Seele etwas trostlos anmutende Landschaft. Das ist weit mehr als die Hälfte des Weges, die ich so zurück lege. Ein kleines Wäldchen zwischendurch gibt die Möglichkeit für eine Rast. Auf dem trockenen Boden kann ich mich in die Sonne legen, eine Bank habe ich die ganzen 20 km nicht gefunden.

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Das viel gerühmte Brandenburg an der Havel empfängt mich auch nicht gerade mit Schönheit. Erst in der Innenstadt beginne ich mich etwas wohler zu fühlen, und die kleine Pension, die ich reserviert hatte, bietet einen angenehmen Empfang. Die Füße tun mir weh nach dieser längsten Strecke, die ich bisher gelaufen bin. Gott sei Dank sind die nächsten Tage wohl nicht so anspruchsvoll und hoffentlich auch landschaftlich schöner. Aber ich bin immer noch erfüllt von meinem Beginn des Tages in der Lehniner Klosterkirche. Dort hatte ich wirklich Zeit und Konzentration, mich mit all den Menschen zu verbinden, die mich auf dem Weg begleiten. Es sind immer mehr geworden in den letzten Tagen. Also ist am Ende des Tages vor allem eines: Dankbarkeit

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5. Pilgertag: von Brandenburg nach Bensdorf

Nun liege ich also im Bett, eingemummelt in zwei Decken, am Ende eines Tages der Widrigkeiten.

In Brandenburg hätte ich den Tag gerne mit einer Meditation im Dom begonnen.
Der war allerdings noch geschlossen, und ich mußte zurück ins Hotel, um mein Zimmer zu räumen. Zweimal wäre mir das zu weit gewesen.

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Der Weg aus Brandenburg heraus führt Kilometer lang über Industriegelände, leerstehende Unigebäude, Bahngleise, Neubauviertel und wieder endlose Industrieanlagen. Ein wenig war ich schon darauf vorbereitet, daß es heute kein Spaziergang durch die schönste Natur sein würde. Aber mit Ausnahme der letzten 4 km war ich andauernd neben Bundesstraßen unterwegs.

Kleine Glücksmomente waren ein Supermarkt mit einem Bäckerei Shop, in dem ich etwas zu trinken bekam und dann abseits ein paar Baumstämme, auf denen man sich ausruhen konnte.
Ansonsten fast 20 km ohne auch nur eine Bank oder etwas ähnliches unterwegs zu finden.

Die Pension hier in Bensdorf liegt etwas abseits. Deshalb hatte ich vor, zum Abendessen in das Nachbar Dörfchen zu gehen. Dort waren mehrere Restaurants verzeichnet. Alles Fehlanzeige: in dieser Woche vor Ostern hatte keines geöffnet. Der Wirt hier war dann so nett, ausnahmsweise für mich zwei Würstchen warm zu machen. Was anderes gab es nicht.

Nun also ein karges Mahl für heute und zu guter Letzt scheint noch die Einstellung der Heizung falsch zu sein: es wird nicht warm im Zimmer, und mein frisch gewaschenes Wanderhemd, hängt nun nass im Badezimmer. Es sollte über Nacht an der Heizung trocknen, die nun einfach nicht anspringt. Und deswegen liege ich mit den zwei Decken im Bett. Morgen wird es regnen. Und in alledem bin ich in erster Linie: neugierig.

6. Pilgertag: Gründonnerstag von Bensdorf nach Genthin

Es ist Regen angesagt für heute - wie viel, kann man schwer abschätzen. Deshalb teste ich, bevor ich los pilgere, meine Regenklamotten in einem Marsch zum nächsten Supermarkt, der fast eine halbe Stunde von meiner Pension entfernt liegt. Irgendwann in der Nacht muss die Heizung wohl doch noch angesprungen sein, sodaß mein frisch gewaschenes Hemd tatsächlich noch trocken geworden ist. Alle Vorzeichen stehen auf grün, als ich mich endlich auf den Weg mache. Es geht quer durch eine landwirtschaftliche Gegend, die allerdings durch die vielen Spargelabdeckplanen und Plastikgewächshäuser verunstaltet ist.

Trotzdem fühlt sich dieser Weg wesentlich angenehmer an als in den Tagen zuvor, wo ich so oft neben Bundesstraßen herlaufen musste. Und irgendwann bin ich dann doch wirklich in der Natur, allerdings nicht sehr lange. Denn dann erreiche ich den Elbe-Havel-Kanal. Während ich eine der wenigen Brücken nutzen kann, beginnt es wirklich zu regnen, zuerst recht sacht, mehr ein Nieseln, sodaß ich mich schon Frage, ob es wirklich sinnvoll war, die wasserdichte Regenüberhose an zu behalten.

Diese Frage klärt sich schnell: der Regen wird immer heftiger und er begleitet mich die ganzen 12 - 14 km an dem Kanal entlang. Die Hose hält dicht, was man von meinem Anorak nicht behaupten kann. Als ich in Genthin ankomme, bin ich doch einigermaßen nass geworden. In dieser verlassen wirkenden Stadt finde ich wenigstens zunächst ein Cafe und dann mein Hotel, indem ich mich nach dieser nassen Strapaze gut aufgehoben fühle.

Dort beginne ich, mich um den morgigen Tag zu kümmern, ab dem mich Diana und Thorsten über Ostern einige Tage begleiten werden. Darauf freue ich mich jetzt richtig: So sehr ich ein paar Tage gebraucht hatte, um allein unterwegs tiefer in mir anzukommen, so sehr fühle mich jetzt wieder offen für Begegnung. Die letzten Tage waren nicht wegen des Alleinseins anstrengend, sondern wegen der widrigen Strecken und des Wetters.

Und noch ein anderer Lichtblick scheint am Ende dieses Tages auf: Ich erfahre per SMS von der Pastorin, die ich angerufen hatte, daß morgen genau zu unserer Treffens-Zeit die St. Trinitatis-Kirche tatsächlich offen sein wird. So können wir unseren Oster- Pilgerweg dort beginnen. Damit hatte ich schon gar nicht mehr gerechnet, denn es ist seit Kloster Lehnin die erste offene Kirche, die mir begegnet.

Aber da Not bekanntermaßen erfinderisch macht, wird dann - wenn die Räume in den Kirchen verschlossen bleiben und die Plätze in der Natur verschandelt sind - das Gehen selbst noch mehr zur Gehmeditation.

Ich freue mich auf die Ostertage!

7. Pilgertag: Karfreitag von Genthin nach Jerichow

Ich treffe Diana und Torsten um 9:30 Uhr an der Trinitatiskirche. Sie ist -wie die Pfarrerin versprochen hatte - wegen des bald beginnenden Gottesdienstes offen. So können wir mit einer kleinen Besinnung in der Kirche und mit ein paar Worten zum Pilgern beginnen.

Danach geht es raus aus der kleinen Stadt, kilometerlang über eine kleine Landstraße, die Gott sei Dank nicht stark befahren ist. Das Wetter ist deutlich besser als am Tag zuvor, es gibt nur noch kleine Niesel-Abschnitte und der Himmel bleibt bedeckt.

Um nicht den ganzen Weg nach Jericho auf diese Weise zurücklegen zu müssen, wählen wir einen Umweg, der uns auf Forststraßen zu unserem Ziel bringt: das ist zunächst die Pension, die wir unabhängig voneinander gebucht hatten, und die deutlich bessere Zeiten gesehen hat.

Wir wollten den Tag im Kloster Jerichow abschließen, aber es war bereits zu spät. So nehmen wir zusammen ein frühes Abendessen in diesem kleinen, abweisend wirkenden Ort.

8. Pilgertag: von Jerichow nach Stendal

Der Karsamstag beginnt mit Minusgraden, aber wunderschönem Sonnenwetter. Vom Hotel wandern wir zusammen zum Kloster Jerichow. Um es zu besichtigen, muss man wie in einem Museum Eintritt zahlen. Ich kenne die Kirche von einem Konzert mit Helge Burggrabe - auch eine Verbindung zur Kirche im Kloster Gerode. Die Erinnerung daran taucht lebendig in mir auf.

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Kloster Jerichow

Es wird wärmer. Gut, dass man sich im Kloster- „Museum“ noch umziehen konnte. Der schöne Weg Richtung Stendal führt über die Elbdeiche. Ein Rastplatz, der an den Deichbruch bei der letzten Elbflut erinnert, lädt heute zum Verweilen ein. Auf der gegenüberliegenden Seite sehen wir die Türme der Hansestadt Tangermünde.

Wir entscheiden uns spontan, dorthin zu pilgern. Da der Weg nach Stendal mit diesem Umweg zu weit wäre, nehmen wir von dort den Zug. Auch auf diese Weise sind wir noch über 20 Kilometer gelaufen. Wir spüren den Weg in den Füßen besonders, als wir in Stendal noch durch die ganze Stadt laufen müssen, um in unsere Hotels zu kommen. Trotzdem verabreden wir uns für ein gemeinsames Abendessen, um so den Tag gemeinsam zu beschließen.

Alle Kirchen, in denen wir auf dem Weg gerne innegehalten hätten, waren verschlossen. Diana und Torsten beschließen, am nächsten Tag nach Berlin zurückzufahren – aus verschiedenen Gründen, aber die Beine haben daran auch einen kleinen Anteil. Wir recherchieren gemeinsam im Internet, dass der Dom wohl am nächsten Tag geöffnet haben sollte, und verabreden uns dort zum Abschluss unserer gemeinsamen Pilgerzeit.

9. Pilgertag: von Stendal nach Gardelegen

Am Ostersonntagmorgen treffen wir uns zufällig beim Frühstück, das wir - ohne voneinander zu wissen - im selben Hotel gebucht hatten. Zusammen gehen wir zum Dom, wo wir dann tatsächlich ein weiteres Mal vor verschlossenen Türen stehen. Das beeinträchtigt nicht unser schönes Gemeinschaftsgefühl, wie wir die zwei Tage pilgernd zusammen verbracht haben: und so meditieren wir vor dem Dom und verabschieden uns da. Die Begleitung von Diana und Torsten hätte ich gerne noch weiter genossen…

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am Dom in Stendal

Ich mache mich dann wieder allein auf den Weg: Richtung Gardelegen, soweit es mir gut möglich ist.

Weit und breit war keine Unterkunft zu finden, und so war schon klar, dass irgendwo unterwegs ein Bahnhof anzusteuern sein wird. Bis Vinzelberg bin ich gekommen, bei strahlendem Sonnenschein, die Natur wird langsam angenehmer, gewohnter, bei nicht mehr so endloser LPG-artiger landwirtschaftlicher Nutzung. Der Zug bringt mich nach Gardelegen.

Zunächst war die Idee noch, am nächsten Tag dorthin zurückzufahren, um dann „den ganzen Weg“ gegangenen zu sein. Aber es ist Ostern, eine Zeit von Neubeginn (und Wiedergeburt), auf jeden Fall innerer Wandlung.
Die gebuchte Superschlichtpension, in der zunächst die Heizung nicht funktioniert, tut ein weiteres, um mich in inneren Widerstand zu leiten.

ZWISCHEN-RESUMEE: Vom Start bis zum Beginn der Osterzeit

Nun bin ich 10 Tage unterwegs, es ist ein Drittel der Zeit um. Ich finde, dass sich das Thema unter dem ich unterwegs bin, in meinem Erleben spiegelt: Nicht nur äußerlich, so wie ich heute ungeplant an dem KZ-Mahnmal vorbei pilgerte oder das Schild an der Kirche bemerkte zum Thema  „Frieden predigen“ oder eine Landschaft erlebe, in der der Unfrieden des Menschen mit der Natur sichtbar wird. Dieser Schmerz ist mir tagelang deutlich spürbar.

Auch in mir bin ich weniger im Frieden, als ich mir das erhofft und mit den Erfahrungen des letzten Pilgerns erwartet hatte. Das hängt auch mit dem großen inneren Thema zusammen, mit dem ich unterwegs bin. Dies erlebe ich natürlich besonders in den Zeiten, in denen ich allein unterwegs bin. Und wie gut und schön ist die Abwechslung, wenn ich Mit-Pilgernde habe und dadurch auch eine Auszeit in meinen eigenen Gedankenkreisen.

Der Start insgesamt war wunderbar. Der Aufbruch mit so vielen Menschen aus Berlin, das unerwartet schöne Wetter, die liebliche Landschaft aus Berlin heraus um Potsdam und bis Kloster Lehnin. Und ich war wunderbar begleitet. Der innere Prozess änderte sich mit der Landschaft, ab Lehnin habe ich die Landschaft verwüstet und menschenfeindlich erlebt. Am schlimmsten war der Regentag den Kanal entlang nach Genthin. Obwohl die Landschaft sich nur mäßig veränderte, hat mich die Begleitung durch Diana und Torsten über die nächsten zwei Tage dann wieder gut getragen. Es war wie ein Weg in die Osternacht hinein, in der heute eine Ahnung des neuen Lichts zu spüren ist – und neue Zuversicht.

Mein Pilgern soll ja den Ausbau des Kirchenraums in Gerode befördern, da finde ich es ein besonders interessantes Thema, wie sehr es mich erreicht, ob ein Kirchenraum mich einlässt, willkommen heißt oder ausschließt.

Es gab zwei besondere Glücksmomente, die mit der Offenheit dieser Räume zusammenhängen: in Kloster Lehnin, wo mir der Schlüssel für die verschlossene Kirche gegeben wurde und heute Kloster Neuenberg, wo - gegen jede Wahrscheinlichkeit - die einsame Kirche offen stand. Was das im Einzelnen zu bedeuten hat, ist mir noch nicht verständlich. Ich weiß aber mit Sicherheit, dass es eine sehr starke Bedeutung hat, die weniger mit der Kirche als Raum zu tun hat, als mit dem Erleben eines Friedensraumes in mir und der dazugehörigen Öffnung nach oben.

10. Pilgertag: Rundtour Gardelegen Kloster Neuendorf

Der heutige Ostermontag beginnt wieder mit kalter Temperatur und strahlendem Sonnenschein. Nach einigen unangenehmen nächtlichen (inneren und äußeren) Ereignissen, die ich nicht ausbreiten möchte, bleibe ich erstmal „schlecht drauf“; ich bin mit meiner Kondition ganz und gar nicht zufrieden, vergleiche immer wieder die Erfahrungen des letzten Pilgerns mit den Tagen jetzt und und und…

Irgendwann beim Frühstück wendet sich das Blatt. Ein Schlüssel wird die radikale Annahme der vermeintlichen Schwäche:

Ich beschließe, nicht den ganzen Weg zu laufen, sondern suche mir einen Rundkurs um Gardelegen, den ich gut bewältigen zu können glaube, und lasse viele Vorstellungen, wie es doch richtig sein müsste, los. Es kommt – wie alle Eingebung -völlig „unangemeldet“.

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Gardelegen, St Nikolai Kirche

Ich wähle Kloster Neuendorf auf der Karte, marschiere mit kleinem Gepäck los:
Es wird ein wunderbarer Tag. An der menschenleeren Klosteranlage empfängt mich ein Schild: Kirche geöffnet!

Weiter bin ich unterwegs durch eine schöne Heidelandschaft, die ich hier ganz gewiss nicht erwarten würde. Im weichen Heidekraut kann ich ein Schläfchen in der Sonne machen.

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Der Tag geht ganz anders zu Ende, als er begonnen hat. Ich bin sehr neugierig, ob es mir morgen gelingen wird, ebenso auf meine innere Befindlichkeit zu achten, sie zu respektieren und meinen Weg danach auszurichten.

11. Pilgertag: von Gardelegen nach Kusey

Dienstag - wohl mein bisher längster Wandertag – führte über weite Strecken durch ausgedehnte Wälder, meist mit schnurgeraden Forststraßen. Die einzige Überraschung: auf einem Kilometer liegen plötzlich 15 Stämme quer, um die mit dem Pilgerwagen nicht so leicht herum zu rangieren war.

Dennoch erreichte ich an diesem Tag rechtzeitig das evangelische Landes-Jugendzentrum in Kusey, wo ich mich sehr offen und warm begrüßt finde. Ich war dort dann ganz allein. Abendessen und Frühstück sind vorbereitet, ich kann es mir in Ruhe selber bereiten.

12. Pilgertag: von Kusey nach Voitze

Am Mittwoch machte ich mich am frühen Morgen auf in Richtung Voitze, ein kleines Dorf im Norden von Wolfsburg. Hier ist Petra zu Hause. Sie kam mir die halbe Strecke entgegen, so dass wir die letzten 10 Kilometer zusammen unterwegs sein konnten. Da wir uns sehr viel zu erzählen und noch mehr vorzubereiten hatten, war es dann wirklich mehr plauderndes Wandern als schweigendes Pilgern.

Das Friedensthema war plötzlich sehr präsent, als wir die alte innerdeutsche Grenze überqueren und in dem kleinen Freilichtmuseum an diesen unseligen Teil der deutschen Geschichte erinnert wurden, aber auch an eine der wenigen friedlichen Umwälzungen dieser Welt.

13. Pilgertag: von Voitze (Lessin) nach Fallersleben

Donnerstag, Petra begleitete mich einen Teil der Wegstrecke. Sie wollte trainieren, um am allerletzten Tag der Pilgerreise auf dem Weg von Duderstadt nach Gerode dabei sein zu können. An diesem Morgen kam auch mein Freund Colin dazu.

Zunächst ging der Weg nach Wolfsburg, wo ich bei Colins Eltern eingeladen war und wo nach Berlin und Potsdam die erste Veranstaltung anstand (dazu mehr weiter unten).

14. Pilgertag: von Wolfsburg nach Königslutter

Am Freitag gesellte sich Jeff zu uns, der schon den ersten Tag von Berlin nach Potsdam mit gepilgert war. Schweigende Phasen mit Achtsamkeitsübungen wechselten sich mit interessanten Gesprächen ab. Colin und ich waren sehr fasziniert und berührt von Jeffs Erzählungen, wie er die Wendezeit erlebt hatte.

Wir beendeten diesen Männer-Pilger-Tag im mächtigen Dom in Königslutter - und im Café daneben. Jeff nahm den Bus zurück nach Wolfsburg. Wir hatten noch den Weg zu Collins Wohnung im kleinen Rottorf.

15. Pilgertag: von Königslutter nach Braunschweig

Nach einem geselligen Abschied von Colin und seiner Tochter und von gemeinsamen Freunden, die zu Besuch kamen, bin ich am Samstag Morgen wieder allein unterwegs. Der Weg am Rande des Elms war so schön wie das Wetter und die nun langsam aufblühenden Rapsfelder.

Im Kloster Riddagshausen wurde ich erwartet und freundlich empfangen. Die ganze Klosteranlage und die umgebende Siedlung haben den Charme der vergangenen Jahrhunderte bewahren können. Übernachtet habe ich nach vielen privaten Einladungen diesmal wieder in einem Hotel in der Nähe des Klosters.

16. Pilgertag: von Braunschweig nach Peine

Um meiner Selbstfürsorge treu zu bleiben, bin ich heute Morgen von Riddagshausen im Südosten nach Lehndorf im Nordwesten von Braunschweig mit dem Bus gefahren. Der Weg aus der Stadt heraus führte durch riesige Heimgartenanlagen, ein kleines Waldgebiet und dann durch Felder und Wiesen.

Das ist mir alles deutlich vertrauter als die endlosen landwirtschaftlichen Flächen zwischen Berlin und Gardelegen. Obwohl die Landschaft sehr eben ist, fühlt sich das alles hier deutlich heimatlicher an.

17. Pilgertag: von Peine nach Sievershausen

Der Montagmorgen beginnt mit Einschränkungen: es regnet und da ich in der Unterkunft kein Frühstück bekomme, muss ich zum NP Markt in der Nähe, wo es ein kleines Stehcafé gibt mit Dingen, die ich normalerweise nicht so zu mir nehme. Aber pilgern heißt ja immer wieder auch nehmen, was kommt.
Der Regen hält glücklicherweise nicht lange an, und so gehe ich wieder einmal einen Kanal entlang in Richtung Sievershausen. Irgendwann verliere ich die Orientierung, und finde mich auf einem Wiesenweg wieder, wo sich nach kurzer Zeit erweist, dass meine Schuhe doch nicht wasserdicht sind. Nach einer halben Stunde sind Schuhe, Strümpfe, Einlegesohlen tropfnass, und ich beginne mir Sorgen zu machen, dass das in einer Erkältung enden könnte.

Und es kommt wieder einmal ganz anders: Ich finde im nächsten Ort eine kleine Bäckerei, in der ich mich erst einmal aufwärmen kann und im Gymnastikstudio daneben, darf ich mich umziehen. Die tropfnassen Einlegesohlen werden in Plastiktüten verpackt, und so kann ich tatsächlich trockenen Fußes in meinen Turnschuhen weitergehen. Es ist nicht mehr sehr weit zum Antikriegs-Haus in Sievershausen, dass ich am Nachmittag erreiche.

Es ist ein besonderer Ort, dessen Magie ich mir überhaupt nicht erklären kann. Ich spüre einfach, dass das ein Kraftplatz ist, obwohl ich den Begriff „Antikriegs-Haus“ nicht mag, ich fände „Pro Frieden“-shaus besser.

18. Pilgertag: von Sievershausen nach Burgdorf

Ich bin in einem kleinen Häuschen abseits untergebracht, als ich am nächsten Morgen zurückkomme und den Schlüssel abgebe, erreicht mich wieder diese besondere Energie, die vielleicht auch mit den dort aufgestellten mächtigen Skulpturen zu tun hat.

Mit Empfehlungen zu den schönen Dörfern in der Nähe des vor mir liegenden Weges breche ich auf. Das Wetter ist wunderbar geworden, und die Empfehlungen erweisen sich als überaus stimmig. Ich mache mehrere Pausen, beobachte die Störche auf dem Kirchendach, mache Rast in einem kleinen Museumsdorf mit nachgebauten Häusern aus der Eisenzeit und bin sehr gut unterwegs.

Sogar ein Regenschauer, der mich vollkommen überrascht, weil er in keiner App angekündigt war, kann mir nichts anhaben: „Zufällig“ erreiche ich nach 5 Minuten im Regen eine Art Bushaltestelle mitten im Wald, wo ich mich für eine halbe Stunde unterstellen kann. Und dann geht es weiter durch die frühlingshafte Landschaft nach Burgdorf.

Es war bisher einer meiner schönsten Pilgertage und es gibt einen Zusammenhang mit der Landschaft, durch die ich wandere: auch hier gibt es Spargelfelder, aber die sind viel integrierter und weniger umweltverschmutzend als ich das in Brandenburg erlebt habe. Und ohne den Berlinern jetzt nahe treten zu wollen: ich würde schon deshalb den Burgdorfer Spargel dem Beelitzer immer vorziehen.

19. und 20. Pilgertag: Von Burgdorf über Hannover nach Sarstedt – mit einem kleinen Erschrecken

Ich komme meiner Heimatstadt Hildesheim näher. Es erreicht mich die Nachricht, dass in der Hildesheimer Zeitung die Veranstaltung am Freitag und der Pilgerrundweg am Samstag (beides zusammen mit Pastor Lutz Krügener) groß angekündigt worden ist. Die Chancen auf eine rege Teilnahme sind also gut.

Ich bin derweil (am Mittwoch) aus meiner kleinen türkischen, familiären Pension in Burgdorf – wieder bei schönstem Wetter - aufgebrochen. Sowohl das Städtchen als auch die Landschaft drumherum begeistern mich. Wie in den Tagen vorher schon bin ich verwundert durch eine vermutete Rübenwüste gepilgert, die dann ganz anders war als vorgestellt.

Und dann passiert es.

Obwohl ich vor- und umsichtig abseits der Wege im Wald unterwegs war, bricht ein stabil anmutender Baumstamm unter mir zusammen und ich ziehe mir eine leichte Verletzung am Oberschenkel zu, die zunächst recht schmerzhaft ist, nach Behandlung mit meinen mitgeführten Hausmitteln erträglich erscheint, mich aber nach einigen Kilometern doch zum Aufgeben bereits in Kirchhorst zwingt. Es wird so der kürzeste Pilgerweg, keine 10 km.

Natürlich sind da sofort die Sorgen präsent, wie das weitergehen kann. Nun: zunächst sitze ich im Bus nach Hannover, der mich mitten in die Stadt bringt. Kurz vor der Bushaltestelle habe ich noch ein besonderes Erlebnis in der kleinen Kirche am Weg, die wundersamerweise leer und offen ist und mit einem Kreuz am Altar versehen, das mich berührt und fasziniert und mir wie „geschickt“ zu meiner Verletzung erscheint: Es ist ein gleichschenkeliges Kreuz aus Ruten geflochten, in das frisch aufsprießende Zweige geflochten sind. Es ist das Leben im Tod, das Neue im Sterbenden, die Hoffnung im Schmerz!

In Hannover werde ich von meinen Freunden Erika und Konrad erwartet, allerdings nicht so zeitig!

Wie gut es ist, die Sorgen teilen zu können! Es stellt sich heraus, dass die Verletzung trotz des Schmerzes recht oberflächlich ist und ich beginne wieder Hoffnung zu schöpfen, dass ich am Donnerstag doch weiterpilgern könnte; es hat sich Claudia zum Mitpilgern angemeldet, die selbst etwas vorsichtig mit der zurückzulegenden Strecke war und so vereinbaren wir noch per SMS, mit der Tram ein wenig weiter aus der Stadt rauszufahren und uns so zu treffen, dass bis Sarstedt ca. 15 km zu gehen sein würden. Ich bin in vorsichtiger Hoffnung, dass sich die Schürfung über Nacht beruhigen könnte.

Am Abend ist zunächst im Seminarraum meines Freundes Matthias im NIS Hannover eine weitere Veranstaltung geplant. Er selbst kann gar nicht dabei sein, die Zeitung hat das nur sehr versteckt und minimal angekündigt und so wird es mit 9 Teilnehmenden eine intensive und intime Runde im Freundeskreis von Menschen, zu denen eher „familiäre“ Bezüge bestehen. Für mich ist es sowieso Heimat, seit 15 Jahren leiten wir gemeinsam dort die monatlichen Mittwoch-Morgen-Meditationen an und nun wächst auch dort das Interesse am Friedensort Gerode. Neben den Spenden ist das immer ein zweiter Gewinn: die Menschen, die kommen, werden aufmerksam und neugierig auf den Ort, dem ein solches Projekt gewidmet ist.

Am Donnerstagmorgen kann ich feststellen, dass sich die Wunde beruhigt hat, ich kann nicht gut sitzen aber offensichtlich gut gehen. Nach einem herzlichen und berührenden Abschied - Erika und Konrad singen mir den irischen Reisesegen, der mich auch in Berlin auf den Weg gewiesen hat, fahre ich mit der Straßenbahn und mit erstarktem Mut zum vereinbarten Treffpunkt im Süden der Stadt. Claudia und ich waren uns schon in Gerode begegnet und wir finden schnell einen meditativen Einstieg in den Tag. Ich spreche über meinen Vorbehalt, dass ich mir nicht sicher sein kann, den ganzen Weg zu schaffen.

Das Wetter ist traumhaft, die Landschaft entlang der Leine, der Innerste und der Giftener Seen ist wunderschön. Und es fällt mir nicht schwer, den ganzen Weg dabei zu bleiben. Es hat sogar eine tiefere Dimension, die ich nur andeuten kann: Die „Wunde“ schmerzt nicht und hindert mich nicht und doch ist sie dauernd präsent.

Wir erreichen die alte Saarstedter St. Nicolaikirche, die wir uns als Pilgerziel gesetzt hatten, um den Tag rituell ausklingen zu lassen. Sie ist verschlossen.

Aber sie bleibt es nicht. Wir, (und besonders ich mit meinem Pilgerwagen) als „Nicht-Touristen“ erkennbar, werden von einem Mann angesprochen, der sich als Kirchenvorstand vorstellt und für uns beide die Kirche aufschließt. Und so haben wir einen guten Ort, die gemeinsame Zeit besinnlich zu beenden.

Claudia fährt mit der Straßenbahn zurück und ich gehe zum Zug, um diesen Tag entgegen der Planung mit einer Fahrt nach Hause in Hildesheim abzuschließen, wo ich die immer unwichtiger werdende Verletzung besser versorgen kann. Und hier schreibe ich am Tagesende noch diese Zeilen.

Weg und Bilder auf Komoot: 19. Pilgertag, von Burgdorf nach Hannover

21.-23. Pilgertag: Nach, in und von Hildesheim

Am Freitag begleitet mich mein Freund Merlin, und wir treffen uns schon in Hildesheim am Bahnhof, um gemeinsam nach Sarstedt zu fahren, genau dahin, wo ich am Tag zuvor den Weg beendet hatte. Er führt meist direkt an der Innerste entlang, und ist ähnlich schön (und mir unbekannt) wie der vom Vortag.

Es hat etwas Seltsames an sich, dann in die Stadt hinein zu wandern und nun pilgernd die Wege zu gehen, die ich sonst als Spaziergänger unterwegs bin.
Ich bin früh zu Hause, und neugierig auf die Abendveranstaltung in der Martin-Luther Kirche, die in der Zeitung recht groß angekündigt war. Es ist dann ähnlich wie in Wolfsburg, die Unterstützung durch die Kirchengemeinde erweist sich als hilfreicher als die publizistische Ankündigung. Hierher kommen natürlich auch einige meiner Freunde, und so bin ich mit dem Ergebnis durchaus zufrieden.

Die Übernachtung im „eigenen Bett“ fühlt sich dann wieder eher fremd an. Während der Pilgerreise gibt es zwischendurch immer noch und immer wieder etwas zu organisieren, dadurch ist auch der Kontakt zu meiner Frau Sylvia beeinträchtigt. Sie hatte für wunderbaren Blumenschmuck gesorgt, der den etwas tristen Gemeinderaum für Impuls, Gespräch und Meditation deutlich aufwertete. Ausgerechnet davon hatte niemand ein Bild gemacht, und ich selbst war viel zu beschäftigt, um daran denken zu können. Schade.

Weg und Bilder in Komoot: 21. Pilgertag, von Sarstedt nach Hildesheim

Ebenfalls in der Zeitung angekündigt war der Rund-Pilgerweg um Hildesheim herum, der am Samstag vor der Godehardikirche begann.

Es waren über 20 Personen, die sich dort einfanden und eine interessante Mischung aus Freunden, diesmal vielen Interessenten, die durch die Zeitung aufmerksam geworden waren und Gemeindemitgliedern: Lutz Krügener, der Pastor der Martin-Luther Gemeinde, in der am Freitag die Veranstaltung stattfinden konnte, hatte zufälligerweise für denselben Tag einen Pilgerweg geplant, den er dann mit meinem zusammenlegte. Da wir uns auf Anhieb gut miteinander verstanden, wechselten wir uns ganz selbstverständlich in den Impulsen und Anleitungen, die wir den Tag über einbrachten, ab.

Es wurde ein sehr schöner Tag, in dem im ersten Teil auf dem längeren Weg zum Kloster Marienrode und zurück in die Stadt zur Sankt Mauritius Kirche das Unterwegssein auf dem Pilgerweg im Vordergrund stand, und dann im zweiten Teil in den großen Kirchen Sankt Michaelis, dem Dom und der Godehardi Kirche das Innehalten zu bestimmten Themen.

Ein besonderer Bezug darf hier nicht fehlen: im Kloster Marienrode, auf dem Betriebshof, waren bis vor wenigen Wochen die Sandsteinplatten gelagert, die beim Umbau des Hildesheimer Doms vom Domhof Gelände dorthin ausgelagert waren. Durch eine äußerst glückliche Fügung sind diese Steine inzwischen als Schenkung im Kloster Gerode gelagert und warten darauf in der nächsten Ausbaustufe im Innenraum der Geroder Klosterkirche als Bodenbelag ihrer neuen Bestimmung entgegenzugehen: Im Jubiläumsjahr 2024 wird dann dieser Raum zunächst schon für Open Air Veranstaltungen genutzt werden können. Meine Pilgeraktion und eure Spenden werden dazu einen wichtigen Beitrag leisten!

Weg und Bilder in Komoot: 22. Pilgertag, Rundpilgerweg Hildesheim

Am Sonntag stand dann der Aufbruch aus Hildesheim auf die letzten Etappen des Wegs an. Wieder war Merlin dabei, der mich 3 Tage begleiten konnte, außerdem meine Freunde Detlef und Matthias, der leider nur ein Stück des Weges mitgehen konnte. Wir vier Männer begannen den Weg beim Labyrinth im Kloster Marienrode. Es ist nach dem Vorbild des Labyrinths in der Kathedrale von Chartres gestaltet, und wie der Pilgerweg ein anderes mächtiges Symbol für unseren Lebensweg, der in vielen Irrungen und Windungen doch sein Ziel in der Mitte, die die Verschmelzung mit Gott symbolisiert, erreicht.

Von hier aus konnten wir ein großes Stück des Weges der via Skandinavica folgen, die jetzt durch die abwechslungsreiche und bergige Landschaft zwischen Hildesheim und dem Harz führt. Und hier freute ich mich auch über die Unterstützung, die ich von meinen Freunden erhielt, um mit dem Pilgerwagen manche steile Strecke zu bewältigen.

Das Wetter war immer noch recht kühl, aber deutlich besser als es von der Vorhersage her zu erwarten war. Unser Ziel, die Kulturherberge in Westfeld, erreichten wir frühzeitig genug, so dass Detlef vom Nachbarort aus seinen Bus zurück nach Hildesheim erreichte, und ich mir mit Merlin ein bescheidenes Mahl zubereiten konnte - mit den Lebensmitteln, die wir mitgebracht hatten.

24. Pilgertag: Von Westfeld nach Lamspringe

Dieser Tag heute war wieder einmal ganz besonders. Die Kulturherberge, von einem Wochenendmusikfestival noch leicht verwüstet, mit einem leeren „Pilger Kiosk“ trieb uns dann früh aus dem Haus. Und das war letztlich auch sehr gut so.
Der Weg entlang eines Höhenzugs, der Rennsteig, ein jahrhundertealter Verbindungsweg von Hildesheim nach Süden, ist in dieser Jahreszeit wunderschön; nach kurzer Zeit waren wir nur noch in der Sonne unterwegs, und während es morgens noch sehr kalt war, mussten wir auf dem bergigen Weg dann Stück für Stück Kleidung ablegen.

Nach einiger Zeit wollten wir zu einer kleinen Besinnung anhalten, und dabei musste ich feststellen, dass mein Anorak, den ich – wie ich dachte - sorgfältig auf dem Pilgerwagen verstaut hatte, weg war. Er musste sich unterwegs auf den letzten Kilometern unbemerkt von dort gelöst haben.
Merlin überredete mich, mit dem ganzen Gepäck dazubleiben, und er, ein wirklicher Profiwanderer, ist den Weg zurückgegangen, um nach dem verlorenen Teil zu suchen. Er hat ihn tatsächlich gefunden, und das hat über eine Stunde gedauert.

In dieser Stunde erlebte ich einen extremen inneren Prozess. Ich habe die Zeit für eine Art Gehmeditation genutzt, die in mir viele Aspekte bewegte, die mit meinem persönlichen Pilgerthema zu tun haben. Ich möchte hier nur andeuten, dass das mit Fürsorge für mich und andere und der dazugehörigen Achtsamkeit zu tun hat. Und diese Unachtsamkeit hier hat einen ganz deutlichen Bezug zu der Unachtsamkeit vor einigen Tagen, in der ich mich selbst verletzte. Es ist ein typisches Pilgererlebnis, wie ich das von meinem Weg vor 3 Jahren her kenne: Ich fühle mich in jeder Zelle meines Körpers angefasst und von starken Emotionen überwältigt. Ohne sofort intellektuell zu verstehen, ist doch klar, dass das Erleben eine äußerst wichtige Bedeutung hat. Ich bin sehr froh, mit meinem Freund länger darüber sprechen zu können, weiter durch die sonnige wunderschöne Landschaft zu wandern, um dann in dem Flecken Lamspringe anzukommen, wo Merlin den Bus zurück nach Hildesheim nimmt.

Kein Cafe und kein Restaurant hat an diesem Montag geöffnet. So begnüge ich mich mit meinen Notvorräten und spüre noch lange im Klosterpark meiner bleibenden inneren Aufregung nach. Diesen Text schreibe ich am späten Abend im Zimmer meiner Pension.

25. bis 27. Pilgertag: von Lamspringe über Bad Gandersheim und Einbeck nach Northeim

Das sind nun die letzten Tage, die ich noch einmal allein unterwegs bin. Am Dienstag führt mich der Weg von Lamspringe nach Bad Gandersheim, den ich vor 3 Jahren schon einmal gegangen bin. Und ich bin ihn genau so gegangen, wie ich ihn heute gehen will, nämlich entlang des Skulpturenpfades. Dort hatte ich, das war damals an meinem dritten Tag, mein erstes „Durchbruchs“-Erleben beim Pilgern. Ich nenne das so, weil es sich anfühlt, wie wenn eine höhere Macht durch unsere empfundene Abgegrenztheit hindurchgreift.

Ich möchte diese Geschichte hier kurz erzählen, weil sich derartige Erlebnisse beim Pilgern öfter und leichter einstellen als in unserem Alltagsleben. Als ich damals den besagten Skulpturenweg entlang pilgerte, in meinen Gedanken versunken, hatte ich urplötzlich eine besondere körperlich-emotionale Wahrnehmung, die zunächst ganz unerklärlich war. Ich hielt inne, und fühlte mich zurückgezogen zu einer Holzstatue, die als eine der ausgestellten Skulpturen am Wegesrand positioniert war und an der ich achtlos vorbeigegangen war. Beim ersten Betrachten konnte ich an dieser Statue nichts Besonderes finden, außer dass ich das Gefühl hatte, mich mit ihr in einem speziellen Energiefeld zu befinden. Und dann entdeckte ich die Plakette am Boden, die Namen und Künstler der Skulptur benennt: Es handelte sich um eine Darstellung des heiligen Jakobus, dem Schutzpatron der Pilger auf dem Jakobsweg. Dieses Erlebnis hat mich lange beschäftigt.

Und so war ich am Dienstag besonders neugierig darauf, wie ich diese Skulptur denn 3 Jahre später, wieder auf dem Pilgerweg, erleben würde. Ich habe beim Vorbeiwandern dann fast jedes Kunstwerk fotografiert und wunderte mich sehr, als ich, fast am Ende des Weges, am heiligen Jakobus immer noch nicht vorbeigekommen war.

Mein Freund Theo, in dessen Zentrum ich am Abend die Veranstaltung machen würde, und bei dem ich übernachten konnte, kam mir auf dem Weg entgegen, und konnte sich auch nicht erklären, wieso dieser heilige Jakobus auf dem Weg nicht zu finden gewesen war. Im Internet recherchierten wir dann, wo wahrscheinlich diese Statue stehen sollte. Theo fuhr mich mit dem Auto den halben Weg nach Lamspringe zurück und wir machten uns an geeigneter Stelle auf die Suche. Unglaublich, aber wahr: der Heilige Jakobus stand da, wo wir ihn vermuteten, und ich war an ihm vorbeigelaufen ohne ihn zu bemerken - ein kleines Kunststück: die Statue ist 3 Meter hoch.

Und so hatte ich ein weiteres Mal über das Thema Wahrnehmung und Achtsamkeit nachzuspüren. Jenseits aller persönlichen Bezogenheit in diesem Thema war es für mich aber auch interessant zu sehen, wie sehr Resonanz- Phänomene solche der augenblicklichen Verfasstheit sind.

Die Veranstaltung am Abend im Zentrum für Salutogenese war klein, intim und schön. Anke und Anna waren extra aus Gerode angereist - was mich sehr gefreut hat - um den Ablauf der letzten Tage zu besprechen. Vorher kam noch ein Journalist der Northeimer Zeitung vorbei, um mich zu interviewen. Er versprach, mir den Text zuzuschicken und auf die Veranstaltung am Freitag in Göttingen hinzuweisen. Den Abend beschloss ich im intensiven Gespräch mit Theo ganz oben unter dem Dach seines Hauses, in Sichtweite des Gandersheimer Doms.

Weg und Bilder in Komoot: 25. Pilgertag, von Lamspringe nach Bad Gandersheim

Am Mittwoch brach ich früh auf, weil der Weg nach Einbeck zwar nicht sehr weit, aber mit einigen sehr steilen Strecken zu erwarten war. Wieder schien die meiste Zeit die Sonne, der Weg durch viele gelbe Rapsfelder an den Höhenzügen zwischen Gandersheim und Einbeck entlang war sehr schön, und das wirklich steile Stück oberhalb von Einbeck fiel mir überraschend leicht, es ging einfach sehr, sehr langsam voran.

Die Pension in Einbeck war noch einmal ein Geschenk, und die alte Fachwerkstadt Einbeck mit dem kleinen Inder mittendrin ebenfalls.

Weg und Bilder in Komoot: 26. Pilgertag, von Bad Gandersheim nach Einbeck

Der Weg heute am Donnerstag war etrem unterschiedlich - von wunderschöner Auenlandschaft bis hin zu Betongräusligkeiten an der ICE-Trasse.

Nun sitze ich ganz oben über der Stadt Northeim, und ruhe mich von dem doch recht steilen Anstieg zu Ute noch etwas aus. Sie wohnt direkt neben dem Jakobsweg, der oberhalb ihres Grundstücks entlangführt, und hat mich zur Übernachtung eingeladen. Ich freue mich darauf, obwohl die 3 Tage jetzt allein unterwegs auch noch einmal gut waren.

28. Pilgertag: von Northeim nach Göttingen

Es schwingt noch das Erleben der Gastfreundschaft, der offenen Aufnahme inmitten der Familie in Utes Haus in mir nach, die intensiven Gespräche am Abend und am Morgen, an dem dann mein Freund Matthias vor der Tür steht, mit dem Zug aus Kassel angereist. Wir machen uns pünktlich auf den Weg, die Sonne scheint, und bringt das junge Grün der Blätter im Wald zum Leuchten. Es ist ein wunderschöner Weg, meist am Waldrand entlang des Höhenzugs nach Süden. Wir haben uns lange nicht gesehen, haben uns viel zu erzählen und mit dem geplanten Schweigen ist es nicht so weit her. Wir wundern uns wie schnell die Zeit vergeht, und wie weit wir nach gar nicht so langer Zeit schon gekommen waren. Nach einer längeren Mittagspause machen wir uns wieder auf den Weg, um den letzten Höhenzug nach Nikolausberg zu erklimmen, wo wir den Bus nach Göttingen nehmen wollten. Das wären dann ziemlich genau 20 Kilometer gewesen.

Aber es sollte anders kommen: Bei Matthias, der sowieso seit einiger Zeit Schwierigkeiten mit dem Gehen hatte, hat sich eine Blutblase gebildet. Zunächst möchte er den Weg unbedingt noch zu Ende laufen, aber als ich meine starken Bedenken äußere, ist er doch auch einverstanden, die nächste Gelegenheit zu nutzen und schon ab Billingshausen mit dem Bus zu fahren. Ich selbst bin auch nicht wirklich unglücklich darüber, dass ich mir den steilen Berg mit dem Pilgerwagen ersparen kann. Und so sind wir recht früh in Göttingen angekommen, was mir die Möglichkeit gibt, mit dem Bus zu Ruth, meiner Gastgeberin dort zu fahren. Sie wohnt ganz oben am Stadtrand, genau dort, wo wir am nächsten Tag den Weg nach Duderstadt fortsetzen werden.

Die frühe Ankunft passt auch ganz gut, da am Abend ja noch die Veranstaltung im Yogazentrum vom Weg der Mitte ist. Wie zum Beginn der Reise in Berlin bin ich auch in Göttingen zum ersten Mal in diesen schönen hellen Räumen. Es ist die letzte von - ich weiß gar nicht mehr genau wie – vielen, und es wird ein schöner, passender Abschluss, bei dem es wieder möglich war, gut miteinander ins Gespräch zu kommen zum Friedensthema und zum Pilgern und mit einer abschließenden Friedensmeditation.

Diese Zeilen schreibe ich in dem geräumigen Appartement, das Ruth und ihr Mann mir zur Verfügung stellen mochten, eine sehr luxuriöse Pilgerunterkunft. Es ist auch ein seltsames Gefühl, zu wissen, dass ich nur noch 2 Tage unterwegs sein werden, dass die Pilgerreise unweigerlich ihrem Ende entgegen geht. Die treuen lesenden Begleiter des Blogs möchte ich heute schon darauf einstimmen, dass der Bericht über die letzten beiden Tage wahrscheinlich ein wenig Zeit brauchen wird und auch für ein zusammenfassendes Resümee brauche ich wohl noch ein wenig Abstand. Ich hoffe trotzdem, dass es auch dann noch euer Interesse findet.

29. und 30. Pilgertag: Von Göttingen nach Kloster Gerode - der Abschluss

Pilgern heißt ja unter anderem: Ich nehme, was kommt und wie es kommt, und im Idealfall in Akzeptanz. Nun scheint ja noch ein weiterer Pilgertag dazugekommen zu sein: heute am Mittwoch bin ich auf der Autobahn von Hildesheim nach Hannover unterwegs, stehe seit einer Stunde Hundert Meter hinter einem Bagatellunfall in der Vollsperrung im Stau, und es sieht so aus, als würde sich auch in der nächsten Stunde nichts bewegen. Ich habe einen sogenannten wichtigen Termin im Krankenhaus in Hannover, habe dort angerufen, und man teilte mir mit, ich solle einfach kommen, wenn ich hier durch bin. Gute Pilgerhaltung. Gott sei Dank bin ich selbst noch so gelassen, dass ich dieses Aufgehalten sein gelassen hinnehmen, und beschlossen habe, die Zeit für den Bericht über die letzten 2 Tage zu nutzen:

Am Samstag morgen treffen wir uns pünktlich zu viert am Stadtrand von Göttingen etwas oberhalb von Ruths Haus. Der Weg durch den wunderschönen Stadtwald beginnt dort unmittelbar.

Ruth, Bärbel und Kristina kommen mit mir. Wetter, Weg und Stimmung sind ausgezeichnet, mit einigen Pausen und Fehlleitungen durch die App kommen wir trotzdem ganz pünktlich in Seulingen an, und beschließen den Pilgertag in der offenen Kirche dort.

Ruth und Kristina werden von Uwe abgeholt, Bärbel und ich fahren mit dem Bus nach Duderstadt, wo ich mich sehr freue, im Ursulinenkloster meine Familie zu treffen. Sie sind gerade aus Freiburg und Hildesheim angekommen, um den letzten Tag dabei zu sein. Ganz pilgeruntypisch genehmigen wir uns zum Wiedersehen ein feudales Mahl im Restaurant.

Weg und Bilder in Komoot: 29. Pilgertag, von Göttingen nach Duderstadt

Am Sonntag geht es auf die letzte Wegstrecke. Helmut, mein Pilgerseminar-Gefährte, kommt mit einer größeren Gruppe aus Gerode an und wir machen uns nach einer Besinnung in der Klosterkirche der Ursulinen auf den Weg.

Dieser führt zunächst an der Gott sei Dank wenig befahrenen Straße entlang und dann über die Höhenzüge zwischen Duderstadt und Gerode durch Wiesen und Wald, wobei das Wetter immer besser wird.

Zwischendurch halten wir immer wieder an, machen Achtsamkeits- und Yoga-Übungen und trotz eines ungewollten Umwegs kommen wir fast genau zum erwarteten Zeitpunkt um 15 Uhr in Gerode an und wandern durch das offene Klostertor direkt in die Kirche, wo wir von Carmen und Barbara mit wunderschönem Gesang empfangen werden

Für mich dauert es wirklich eine ganze Weile, bis ich realisiere, dass mein geplanter Pilgerweg tatsächlich hier sein Ende findet. Schon unterwegs hatte ich zwischendurch das Gefühl, gar nicht ganz bei mir zu sein, und eigentlich realisiere ich erst Stunden später nach der liebevollen und berührenden Empfangsfeier auf der Terrasse im Kloster, dass ich wirklich angekommen bin.

Ja, dieser Weg ist nun tatsächlich zu Ende gegangen, aber mein Weg und der Weg zum Friedenszentrum ist damit noch nicht beendet. In einigen Tagen werde ich mich mit einem Resümee der Pilgerreise melden. Das kann evtl. noch etwas dauern.

Genauso wie der Stau, in dem ich immer noch stehe...

Weitergehen im Alltäglichen

Was kommt: Das Weitergehen im ganz Alltäglichen

Was bleibt: die Erfahrung des Pilgerwegs und der materielle Ertrag

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Mit der erfolgreichen Versteigerung meines Pilgerwagens im Kloster einige Wochen nach dem offiziellen Ende der Reise (deren Beschreibung in einem Resümee >hier nachzulesen ist), steht nun auch der Gesamtbetrag fest, die das Pilgerprojekt für den weiteren Aufbau des Friedenzentrums erbracht hat: Es sind insgesamt 14.253,00 Euro auf dem Konto der Stiftung eingegangen!

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Dass dies auch eine gemeinschaftliche Leistung durch die Mitwirkung von so vielen Unterstützerinnen im Verein, in der Fundraisinggruppe und meinem Freundeskreis ist, darauf soll hier noch einmal hingewiesen werden.

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Nicht nur für mich ist aber der materielle Ertrag nicht das wichtigste Ergebnis. Die Vision der Internationalen Bildungs- und Begegnungsstätte für Gesundheit, Kultur und Frieden im Kloster Gerode hat so größere Bekanntheit erreicht und neue Unterstützer gefunden. Das weitere Arbeiten an der Realisierung wird nun zur (all)täglichen Aufgabe.

Auch für mich persönlich ist das "Pilgerprojekt" im engeren Sinne zwar zu Ende, aber die Herausforderung ist geblieben: Wie kann ich in einer guten inneren Haltung dem begegnen, was täglich an Unbekanntem (und oft: Unerwünschtem) in mein Leben tritt?

Ohne hier auf Details eingehen zu wollen, kann ich sagen, dass mein unbestimmtes Gefühl, dass die Pilgerreise nicht zu Ende sei, mich nicht getrogen hat. So wie diese Reise neben viel Freude insbesonders in den Begegnungen auch dadurch gekennzeichnet war, dass ich sehr deutlich mit meinen eigenen Grenzen konfrontiert war, hat sich das in vielen Herausforderungen meines Lebens "danach" weiterhin ganz deutlich gezeigt. Das Vertrauen, dass es für diese immer einen GUTEN WEG gibt, gehört zum "Handgepäck" des Pilgers.

Vor einigen Tagen hat mich ganz überraschend eine Klientin an ein Gedicht erinnert, das sie vor vielen Jahren von mir geschickt bekam. Ich finde, es passt hier besonders gut:

An einem der Tage, die kommen,
wird etwas geschehen, das du nicht kennst,
noch nicht,
und auch nicht verstehst,
etwas, von dem du nur träumst,
was du erwartest, so wie ein Wunder.
Es wird etwas sein, auf das du nicht wartest,
nein, das du suchst,
und weißt auch nicht zu sagen, wonach, und du suchst es auch nicht,
sondern findest, und nicht einmal das,
es findet ja dich, dieses Lächeln, von dem du gefunden wirst,
an einem der Tage, die kommen.


(Lothar Zenetti)